Der zurückgewiesene Madonna-Lohn

 

Meine Wirtin zu Rom, eine sehr gescheite und gut erzogene Frau, erzählte mir ein gar gemütliches, wundersames Ereignis, das in ihrer Jugend an unserem Fontana Trevi vorgefallen sei.

 

Ein Kapuziner, der durch seine innige Frömmigkeit im Geruch der Heiligkeit stand, kam eines Tages zu einem Schmied in der Nähe unserer Piazza bei Poli, und bat, seinen Esel zu beschlagen. – Es geschah. – Als nun der Mönch mit einem herzlichen: „Die Madonna vergelt es euch!“ sich verabschieden wollte, erklärte der Geselle, dass er in der Abwesenheit des Meisters sich auf eine solche Art Zahlung nicht einlassen könne, und verlangte so und so viele Bajocchi. Da wandte sich der Pater zu seinem Tier und sprach: „Hörst du, armer Sommarello, wie diese Menschen die Madonna schmähen und Geld von einem Kapuziner verlangen? Gib ihnen die Schuhe wieder!“ Und siehe, das Tier schüttelte seine Beine und die Eisen fielen links und rechts zur Erde. – In diesem Augenblick erschien der Meister. Er stürzte, von Schrecken ergriffen, samt dem Gesellen auf die Knie und flehte den Kapuziner an, die Gabe wieder anzunehmen. – Und es geschah. – Auf das Geheiß des frommen Paters trat der Esel wieder auf die Eisen, und sie saßen fest an den Füßen, wie sie vorher angeschmiedet gewesen waren. –

 

Seitdem werden in dieser Schmiede alle Esel der Kapuziner umsonst beschlagen.

 

„Ihr könnt die Schmiede sehen, Signor“, schloss Signora Lucia ihre Erzählung, „wenn ihr rechts um die Ecke unseres Hauses geht!“ -

 

(Aus: Ein Jahr in Italien von Adolf Stahr)