Die Gnadenkapelle zu Brescia

 

Originell und voll wirklicher Herrlichkeit ist zu Brescia die Kirche Maria delle Grazie, die Gnadenkapelle in ihr, und auch der Vorhof.

 

Zu der Kirche wurde im Jahr 1522 der Grundstein gelegt, 1669 übernahmen die Jesuiten sie, die sie bis 1773 in ihrem Besitz hatten. Was der Geschmack der Zeit durch diese 104 Jahre geboten hat, das wurde in diesem Gotteshaus verwendet. Die Decken strotzen von Gold, Arabesken und Bildern, die mitunter von vortrefflichen Meistern herrühren.

 

Die eigentliche Gnadenkapelle – zeigt an ihren Wänden und an den Wänden des Vorhofs – man kann sagen Tausende von Votivbildern, die von frommen Dienern und Verehrern der gnadenreichen Mutter des Herrn nach erlangter Gesundheit oder Gebetserhörung, überhaupt aus Dankbarkeit, hier aufgehängt wurden.

 

Der Vorhof – im Gevierte gebaut – mit Arkaden von Marmorsäulen getragen, enthält mehrere Springbrunnen, bei denen jedem eine Menge aufsteigender Wasserstrahlen in frei auf Säulen schwebende Becken niederrauschen. Ein überaus schöner, lieblicher Anblick. Die Brunnen symbolisieren die ewigfließende Gnadenquelle in Jesus Christus, - an die sich der bedrängte Mensch durch die angerufene Fürsprache Marias wendet, um gnädige Erhörung und Gewährung seiner Bitten zu finden.

 

Da gehen Leute ab und zu – man hört im Vorhof Grüße sich gegenseitig erteilen, mitunter auch sprechen. Es wird fleißig gebetet. Sie kommen, die Mühseligen und Beladenen, und die da betrübten Herzens sind, und kaufen sich mit ihrem innigen Gebet Frieden, Heiterkeit und Gottergebung für den ganzen Tag, und haben es da mit einem Herrn und einer Mutter zu tun, die nicht betrügen und nicht betrogen werden können.

 

(Aus: „Ein eigenes Volk. Aus dem Venediger- und Longobardenland, Wien, Braumüller, 1858, von Dr. Sebastian Brunner)