Unterricht über die Bilder durch ein Kind

 

(aus: Erklärung des Katechismus von A. Guillois)

 

Der heilige Vincenz von Paul hatte eben zwei Kalvinisten in den Schoß der wahren Kirche Jesu Christi zurückgeführt, als dem schönen Bund der beiden Neubekehrten ein dritter hinzutreten wollte.

 

Ehe die feierliche Handlung der Aufnahme begann, richtete St. Vincenzius die Frage an ihn: ob es noch sein ernstlicher Wille sei, in die Gemeinschaft der römisch-katholischen Kirche zurückzukehren? Der Gefragte antwortete, dass er bei diesem Entschluss beharre, aber noch eine Bedenklichkeit habe, die beim Anblick einer unkünstlerisch ausgeführten steinernen Statue der heiligen Jungfrau Maria in seiner Seele sich erhoben; nämlich: dass er nicht glauben könne, es sei irgendeine Kraft in diesem Stein vorhanden; er wies dabei auf die schlichte Marien-Statue, die ihm gegenüberstand.

 

St. Vincenzius erwiderte darauf mit großer Ruhe: dass – nach der Lehre der Kirche – in diesen Bildern keine andere Kraft sich vorfinde, als diejenige, die ihnen mitzuteilen Gott gefällt, so wie er es einst bei dem Stab des Moses tat, mittelst dessen er so große Wunder wirkte. Überdies sei diese Lehre unseres Glaubens so bekannt in der Kirche, dass ihn jedes Kind darüber unterrichten könne. – Sogleich rief er wirklich eines der anwesenden Kinder herbei, das auf die Frage: „Was hat man von den Bildern der Heiligen zu glauben?“ mit rührender Einfalt antwortete: „Es sei gut, solche Bilder zu haben, und ihnen die gebührende Ehre zu erweisen, nicht des Stoffes wegen, aus dem sie geformt sind, sondern – weil sie uns den göttlichen Heiland Jesus Christus, seine glorreiche Mutter Maria und andere Heilige des Himmels vorstellen, die, nachdem sie den Sieg über die Welt davon getragen, durch ihre Bilder uns stillschweigend auffordern, ihrem Glauben zu folgen und ihre guten Beispiele nachzuahmen.“

 

Diese Antwort aus dem Mund eines Kindes, würdig des Lehrers, der ihn in den ersten Wahrheiten der Religion unterrichtet hatte, öffnete vollends dem Calvinisten die Augen und er erklärte feierlich, zur Religion seiner Väter zurückkehren zu wollen.