„Nun kann ich die schmerzhafte Muttergottes malen!“

 

(aus: Der Marien-Prediger von L. Gemminger)

 

Als der berühmte Maler Carlo Dolce einst an den Ufern der Tiber lustwandelte, war er Zeuge einer ergreifenden Szene. – Einer Mutter fiel das Kind in den Fluss und war nahe daran zu ertrinken. Von Angst und Schrecken ganz außer sich, lief die Frau hin und her, bis ein des Schwimmens Kundiger auf ihre Bitten hineinsprang, das Kind glücklich rettete und es lebend der Mutter zu Füßen legte. Vor Freude außer sich drückte die Mutter, mit den dankbarsten Blicken zum Himmel, das wiedererhaltene Kind an die Brust. – „Nun kann ich die schmerzhafte Muttergottes malen“, rief Carlo Dolce aus, indem er nach Hause eilte, „denn ich habe die Züge einer Mutter geschaut, die ihr Kind, ihr verlorenes, suchte und es wieder gefunden hat!“ –