Nachahmung der ärmlichen Kleidertracht Marias

 

(aus: Japanische Kirchengeschichte, P. Johannes Crasset, 1738)

 

Marentia, eine japanische Jungfrau, war verwandt mit König Bungo und ihr Vater einer der vornehmsten Hofherren. Im christlichen Glauben erzogen, den die Väter der Gesellschaft Jesu unter unsäglichen Mühen und Leiden in Japan verbreiteten, hatte sich Marentia schon in ihrem zwölften Jahr Gott durch ein Gelübde zu ewiger Jungfrauschaft verbunden. Auch den erlaubten Ergötzlichkeiten suchte sie sich, so viel es der Gehorsam und die Sitte des Anstandes erlaubten, zu entziehen. Ihre Freude und ihr Vergnügen war, von Gott und den lieben Heiligen, besonders von der allerseligsten Jungfrau Maria, zu reden, die sie zärtlich liebte, so dass sie ihr Bildnis nicht ansehen konnte, ohne aus Andacht die innigsten Tränen zu vergießen. Drei Tage vor und ebenso viele Tage nach den Festen Marias fastete sie in Wasser und Brot, und übte auch sonst – Jesus und Maria zu Ehren – die strengsten Bußwerke, die endlich ihre Beichtväter auf das Anhalten der Verwandten durch den Gehorsam zu mäßigen suchten.

 

Marentia trug in sich ein großes Verlangen, die Mutter des Herrn auch äußerlich in ärmlicher Kleidung nachzuahmen, und wollte sich kleiden, wie die japanischen Frauen, die der Welt entsagt hatten; allein ihre Verwandtschaft willigte nicht in dieses Begehren. Durch innigstes Bitten erlangte sie endlich doch die Erlaubnis: je an einem Tag der Woche ganz ärmliche Kleidung tragen zu dürfen. Sie fühlte hierüber die lebhafteste Freude. Und als sie die ärmliche Kleidung erhalten hatte, eilte sie mit ihr zu einem Bild der allerseligsten Jungfrau Maria, warf sich auf die Erde nieder, legte die Kleidung auf das Haupt, was bei den Japanern das Zeichen der Ehrerbietung ist, und dankte unter Tränen der heiligen Muttergottes für die Gnade: „dass sie jetzt, wenigstens einen Tag in der Woche, das Kleid der Armen tragen und ihr hierin nachfolgen dürfe.“