Marien Namen der Kirchen und Klöster zu Venedig

 

(aus: Aus dem Venediger und Longobardenland von Dr. S. Brunner)

 

Über die verschiedenen Kirchen und Klöster, die zu Venedig der allerseligsten Jungfrau Maria geweiht sind, die aber außerdem ganz eigentümliche Beinamen haben, die sich teils auf ihre Person, teils auf Ereignisse aus ihrem Leben, teils auf die Gnaden, die sie spendet, beziehen, - findet sich in den dortigen Urkunden insofern Aufschluss, als diese zeigen, wie die besagten Benamungen schon im fünfzehnten Jahrhundert üblich gewesen sind.

 

Die den Mauern nach – noch bestehenden, oder bereits zu anderen Zwecken verwendeten Kirchen und Klöster Marias tragen, wie eine köstliche Zierde, gar sinnvolle Beinamen. So findet man:

Die Kirche S. Maria de Nazareth;

das Kloster Jesus et Maria;

das Kloster S. Maria de planctu (von der Wehklage);

die Kirche S. Maria formosa (die Anmutige);

das Kloster S. Maria majoris (der Größeren);

das Kloster S. Maria de Virginibus (von den Jungfrauen);

die Kirche S. Maria de Salute (vom Heil);

die Kirche S. Maria de Charitate (von der Liebe);

die Kirche S. Maria Consolationis (des Trostes);

die Kirche S. Maria Gratiarum (der Gnaden);

die Kirche S. Maria Poenitentium (der Büßenden);

die Kirche S. Maria gloriosa (die Hochherrliche) usw. –

 

 

Lauter gar süße, hehre und eindringlich erhebende Beinamen, die im Herzen des sinnigen Wanderers, der da vorüber wallt, oder des frommen Beters, der da seine Einkehr hält, das allerkindlichste Vertrauen auf die Huld und Güte Marias zu erwecken vermögen! –