Die Pilgerin nach Loretto

 

(aus: Geschichte von Loretto von H. Turselin)

 

Johanna, eine Tochter des Kaisers Ferdinand von Österreich und Gemahlin des Großherzogs von Toskana, fühlte in ihrem Herzen eine unwiderstehliche Sehnsucht: im heiligen Haus zu Loretto der heiligen Muttergottes ihre Liebe, Andacht und Verehrung zu erweisen. Und sie folgte endlich diesem Drang ihres frommen Herzens.

 

Als sie von weitem des lauretanischen Hauses ansichtig wurde, sprang sie aus dem Wagen und fiel auf ihre Knie nieder, Maria ehrerbietigst zu begrüßen. Den noch übrigen Weg machte sie zu Fuß. In der Kirche von Loretto verschmähte Johanna die für sie bereitstehenden Kissen und Teppiche, und kniete zum Gebet auf den nackten Boden. Sie empfing mit der erbaulichsten Andacht die heiligen Sakramente, und brachte nicht nur den größten Teil des Tages in gottseligen Übungen zu, sondern verweilte auch drei Nächte nacheinander im innigsten Gebet vor dem Bild der allerseligsten Jungfrau. Die glühende Andacht ihrer Seele teilte auch dem Leib Kraft und Stärkung mit. Kaum konnte sie sich von der so überaus ehrwürdigen Stätte trennen. – Beim Abschied hing sie zwei Herzen von Gold um den Hals des Marianischen Gnadenbildes, und nahm sich vor, kein Jahr ohne die Gabe eines Geschenkes an das heilige Haus von Loretto vorübergehen zu lassen, und dieses welches Gelöbnis erfüllte sie auch getreu, solange sie lebte.