Die Aufnahme in die Kunst-Akademie

 

(aus: Leben des Bartolomeo Estóban Murillo)

 

Es ist ein liebenswürdiger Zug des berühmtesten Malers der Spanier, Murillo, geboren zu Sevilla im Jahr 1617, aus dessen Werken uns überhaupt das reinste, liebevollste Gemüt anspricht, dass er, - zur Ehre, Ruhm und Reichtum gelangt, - es seine angelegenste Sorge sein ließ, im Gedenken an seine eigene harte, entbehrungsvolle Jugend, für die Zukunft und den Unterricht begabter Kunstjünger besser zu sorgen, als für ihn in seiner Vaterstadt gesorgt gewesen war.

 

Er gründete mit Aufopferungen aller Art in Sevilla eine Kunst-Akademie, für die er alle namhaften Künstler der Stadt als Lehrer und Mitwirker zu gewinnen suchte, und die sich auch durch seine unwiderstehliche Uneigennützigkeit und Liebenswürdigkeit gewinnen ließen. – Und wie Murillo selbst, gleich den meisten großen Malern Spaniens, seine Kunst als einen religiösen Dienst und die Pflege des Marien-Cultus als eine Herzenspflicht betrachtete; so setzte er als Bedingnis zum Eintritt in seine Kunst-Akademie: „Dass jeder Schüler, bei der Aufnahme in die Kunst-Akademie, sich zu dem Glauben an die unbefleckte Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria feierlich bekennen musste.“