Der rechtmäßige Titel Marias

 

(aus einer Festpredigt von Johann R. Fasold)

 

Im Jahr 431 sah man eines Tages in der Stadt Ephesus eine unabsehbare Volksmasse hin- und herwogen. Man sah Einheimische und Fremde, man sah Geistliche und Laien, man sah Kinder und Greise, Reiche, Hohe und Niedere, man sah Gläubige aus allen Ständen und Klassen. Und wie ehedessen zu Jerusalem die Apostel auf die Ankunft des heiligen Geistes harrten, so harrten diese vielen Tausende auf die Entscheidung, auf den Ausspruch des im heiligen Geist versammelten Kirchenrates (Concilium) über den „rechtmäßigen Titel“ der allerseligsten Jungfrau Maria.

Der Tag hatte sich geneigt, es wurde Abend. Da öffneten sich die Türen der Kirche, in der mehr als zweihundert Bischöfe versammelt waren, und es erschien an der Spitze St. Cyrillus, Patriarch von Alexandrien, und verkündete dem Volk feierlichst:

 

„Die ketzerische Lehre des Nestorius ist verdammt,

die Ehre Marias wurde gerettet,

sie ist und heißt:

Mutter Gottes! Gottesgebärerin!“

 

Aller Augen glänzten von Tränen der Andacht und der Freude, aller Herzen schlugen laut vor Wonne, unbeschreiblich war der Jubel der Stadt, unbeschreiblich der Jubel des Volkes, unbeschreiblich der Jubel der ganzen Christenheit! Von Mund zu Mund, von Stadt zu Stadt, von einem Ende der Welt bis zum Ende der andern wiederhallte der Siegesruf:

 

„Der Feind der Jungfrau Maria ist besiegt!

Es lebe Maria!

Es lebe die große, die erhabene, die glorreiche Gottesgebärerin!

Es lebe die heilige Muttergottes!“

 

Der Titel, der Name „Muttergottes“ oder „Gottesgebärerin“ gehört zum Inbegriff der katholischen Glaubenslehre und gehört mit zum Grundstein des Gottesbaues der katholischen Kirche. Und wer kindlich fromm Maria diesen hocherhabenen, rechtmäßigen Titel verleiht, gehört zu den echten Bekennern des katholischen Glaubens.