Petrus von Berulle, Kardinal

 

Petrus von Berulle war ein durch Tugend und Wissenschaft ausgezeichneter Priester und innigster Freund des heiligen Franziskus von Sales.

 

Unter seinen Tugenden leuchtet besonders die Liebe und Verehrung gegenüber der allerseligsten Jungfrau und Muttergottes Maria hervor. In den Jahren, die er als junger Student im Collegium bei den Jesuiten verbrachte, erwies er sich nicht nur als eines der eifrigsten Mitglieder des Marianischen Sodalität, sondern brachte es auch durch seine inständigsten Bitten bei den Vorgesetzten dahin, dass er mit der Sorge für die Kapelle betraut war, worin die Versammlungen und Gottesdienste dieser Verbrüderung zu Ehren Marias gehalten wurden. Damit verknüpfte sich die Reinigung der Kirche und der Geräte, die Verzierung des Altars und die Vorbereitung zu jeglicher Festlichkeit. Er tat alles mit Geschick, Freude und Eifer, denn es galt ja der Ehre seiner himmlischen Mutter; und er scheute sich nicht, mit eigener Hand den Kehricht fortzuschaffen.

 

Nach seiner Erhebung zur Würde eines Kardinals, hatte er nichts Eiligeres zu tun, als Maria die Ehre aufzuopfern, die ihm aus dieser Würde erwuchs. Und kaum war er mit dem römischen Purpur bekleidet worden, so besuchte er alsbald die Kirche Unserer Lieben Frau zu Paris, sich Jesus und Maria in seinem neuen Kleid vorstellend und sich ihnen als lebendige Opfergabe, die in allem dem göttlichen Willen unterworfen sei, darstellend.

 

Er ist es auch, der im Jahr 1613 eine Kongregation in Frankreich stiftete und einführte unter dem Namen „Oratorium Jesu und Marias“. – Schon der Name, den er ihr gegeben hatte, zeigt, dass er sie dem Schutz der heiligen Muttergottes übertragen hat, und die Regeln, die er ihr zuschrieb, dass die Gefühle aufrichtigster Verehrung gegenüber Maria sie beleben und durch sie verbreitet werden sollten. – An der Vorderseite aller Häuser des Oratoriums ließ er, gleich einem Wappenschild, die allerheiligsten Namen „Jesus“ und „Maria“ anbringen, umschlossen von einer Dornenkrone, die, nach dem Gedanken des frommen Stifters, seinen Söhnen zur Erinnerung dienen möchten: Alles für Jesus und Maria zu leiden und ihre Ehre – trotz aller Hindernisse und Mühsale, die ihnen in diesem Bemühen begegnen würden, nach Kräften zu verbreiten. – Außer den anderen Offizien und Gebeten, setzte er auch fest, dass täglich am Abend auf eine sanfte und rührende Weise die „Litanei der heiligen Jungfrau Maria“ gesungen werde und dass ihr pünktlich alle Bewohner des Hauses, mit Ausnahme bei wichtigen Verhinderungsfällen, beiwohnten. Nach der Regel sollte dieser Gesang öffentlich sein, d.h. so, dass auch Personen, die der Genossenschaft nicht angehörten, sich an dieser frommen und erbauenden Übung beteiligen durften.

 

Auch erzählt man, dass ihm, zum Lohn für seine eifrige und erfolgreiche Frömmigkeit, mehrere Male die heilige Jungfrau Maria mit dem göttlichen Kind erschienen sei. –

 

Er starb im Jahr 1620 im Ruf der Heiligkeit. –

 

(Aus: Leben des P. von Berulle von Donius d'Attichy)