Die Schwester Monika

 

Schwester Monika, geborene Margaretha von Busbach, Witwe von Wiltheim, Gründerin der Kongregation Unserer Lieben Frau in der Stadt Luxemburg, trug in sich eine große und aufrichtige Liebe zu Gott. Aber gerade deshalb musste sie auch alles lieben, woran die Strahlen seiner Heiligkeit sich abspiegeln. Was ist jedoch unter allem Erschaffenen heiliger, als Maria – das Kunstwerk aus Gottes Hand, würdig erachtet in seinen Augen, das Heiligtum des menschgewordenen Gottessohnes zu werden, die Arche des Neuen Bundes, ganz golden, auch nicht vom Schatten der Sünde jemals getrübt, die, als Mutter des Erlösers, nun Königin des Himmels und der Erde ist? Und wer zu den Gnadenschätzen und Ehren des Königs der ewigen Herrlichkeit gelangen will, er wende sich an dessen Freunde, die lieben Heiligen, namentlich aber an dessen hochgebenedeiter Mutter, und durch ihre gnädige Fürsprache und Vermittlung wird ihm die Tür dazu erschlossen.

 

Von ihren zartesten Jahren an nährte deshalb auch die fromme Monika eine recht liebende Verehrung gegenüber der heiligen Jungfrau Maria. Wie sie innerlich ihr Herz zu einem Muttergottes-Altärchen geweiht hatte, so suchte sie auch nach außen der Königin der Engel jegliche Ehre zu erweisen. Monika schmückte mit möglichster Sorgfalt ihre Bildnisse und Altäre, fastete an den Samstagen und an den Vorabenden ihrer Feste, betete gern ihren Psalter, hatte eine ungemeine Ehrfurcht vor ihrem Namen, sprach ihn nie vergeblich aus, ließ ihn in ihren Gedanken weilen, und half gar eifrig an der Hebung und Beförderung der frisch aufblühenden Marien-Verehrung ihrer Vaterstadt. Maria trug sie stets die Anliegen ihres Herzens vor. Mit ihr war sie zu Rate gegangen, bevor sie in den Ehestand eintrat, ihr verdankte sie den Beruf zum Klosterleben, und, vor ihrem Bildnis in den Staub niedergeworfen, empfahl sie ihr so zärtlich diesen Auszug aus dem Ägypten der Welt und ihren Eintritt in das gelobte Land des Ordens. Sie schätzte sich überglücklich, einer Kongregation, die den Namen dieser himmlischen Mutter trug und unter ihrem besonderen Schutz stand, anzugehören, sowie deren geistlichen Töchtern dienen zu können.

 

In dem Kloster begann Monika alle ihre geistlichen Übungen mit dem Namen und unter dem Schutz Marias, mit ihr begrüßte und schloss sie den Tag. Sie verstand es, weil von der Liebe Andacht gedrängt, gar wohl, mit der Anbetung, die sie dem Gottmenschen Jesus Christus, ihrem Erlöser und Seligmacher, darbrachte, die Mariä schuldige Verehrung zu vereinigen. Täglich betete sie den heiligen Rosenkranz, aber alle die erhabenen Geheimnisse, die sich an diese hehre Gebetsweise knüpfen, wollten ihren Geist immer in tiefere Betrachtung derselben hineinziehen. Begann sie, so stellte sie sich Maria in ihrer jungfräulichen Schönheit vor, oder dachte sich am Fuß des Throns ihrer himmlischen Herrlichkeit, wie der Erzengel, wollte auch sie die Hochgebenedeite grüßen, sie betete daher: „O heiliger Engel Gabriel, erwirke mir die Gnade, dass ich mit großer Inbrunst die Königin Maria grüße!“ Gleich beim ersten Vaterunser vereinigte sie die drei Kräfte ihrer Seele mit den drei göttlichen Personen. Zum Schluss betete sie wiederum: „O heiliger Engel Gabriel, ich bitte dich, grüße die Jungfrau Maria für mich, und meinerseits opfere ihr diesen Rosenkranz auf als Danksagung für alle großen durch sie empfangenen Wohltaten!“ – Man fand auch, in dem von Monikas Hand geschriebenen geistlichen Buch, die Lauretanische Litanei. Nach jedem der kostbaren Titel, womit in der Litanei die göttliche Mutter verehrt und angerufen wird, weiß Monika eine eigene Bitte für sich beizufügen. Der Erläuterung halber mögen hier einige stehen. Z.B. „Heilige Maria, bitte für uns! Gib auch mir die Gnade, dass ich deinen Namen allzeit heilige! – Heilige Gottesgebärerin, bitte für uns! Gib auch mir Gnade, dass ich innerlich neu geboren werde! – Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, bitte für uns! Gib auch mir ein jungfräuliches Herz! – Mutter Christi, bitte für uns! Nimm auch mich auf zu deinem Kind! – Allerreinste Mutter, bitte für uns! Gib auch mir reine Ohren, reine Augen und eine reine Zunge, auf dass ich dich mit ihnen würdig loben kann!“ – In solcher Weise bat Monika, die allerkeuscheste, allerunversehrteste, allerunbefleckteste, allerlieblichste und wunderbarliche Mutter um einen keuschen Leib, ein unversehrtes Herz, eine unbefleckte Seele, innige Liebe zu Gott und dem Nächsten, einen wunderbaren Eifer, ihm zu dienen, und um alles, was da wahrhaft heilig und selig macht. – Unter vielen anderen Bitten richtete sie auch diese an die Mutter des Herrn: „O heilige Maria, du bist der Ursprung aller Gnaden! Verleihe mir eine große Begierde zu dem Brunnen des lebendigen Wassers! Hilf mir bekämpfen und überwinden alle Anfechtungen der Sünde! Vergolde mein Herz und gestalte es zu einem Tempel Gottes! Schenke mir Gnade, dass mein Herz sich erhebe zu der Tür des Herzens Jesu! O Morgenstern, bringe Licht in mein Herz und scheuche hinweg alle Finsternis der Sünde! Verleihe, dass ich meine Hoffnung auf dich baue und meine Zuflucht zu Dir nehme! Errege in mir eine heiße Sehnsucht nach meinem Bräutigam Jesus Christus, dass ich gerne mit ihm dulde! Lass mich ruhen in deinem Schatten, o Jungfrau Maria, mein ganzes Leben lang! Mache mich heilig, Gott wohlgefällig!“ –

Besonders fesselten die Schmerzen der heiligen Muttergottes das Herz Monikas in heiliger, mitfühlender Betrachtung. Sah sie ihren Blutbräutigam in seinen Martern, so ging sie im Geist, zerrissenen, auch schwertdurchbohrten Herzens, mit Maria neben ihm her auf der via dolorosa. Mit Maria stand sie auch gern unterm Kreuz, in die traurigste Traurigkeit versenkt, die verweinten Augen zu ihrem Sohn, dem Lamm Gottes am Kreuz, hingewandt, und flehte gleichfalls herzergreifend:

 

„Drücke deines Sohnes Wunden,

So wie du sie selbst empfunden,

Tief in meine Seele ein!“ –

 

An ihren Festtagen wusste Monika aber auch die freudigen Geheimnisse aus Marias Leben mitfreudig zu erwägen. In der Oktav ihrer Himmelfahrt besonders erhob sich ihr Geist in betrachtendem Flug bis zu jenem Thron, auf den die allerheiligste Dreifaltigkeit das Kunstwerk ihrer Allmacht und Gnade niedersetzte. Sie sah die dreifache Krone, mit der Maria gekrönt wurde, und sie betete: „O heilige Jungfrau Maria, gib mir die Gnade, dass ich vermählt werde mit deinem Sohn, dass ich lebe als eine wahre Witwe, dass ich bewahre die ewige Jungfrauschaft und mir durch meinen frommen Wandel die Pilgerung hienieden stets zum Vorhof des Himmels werde!“ –

 

Noch ist zu bemerken, dass Monikas Verehrung auch zum heiligen Joseph, den Nährvater des göttlichen Christkindes, des keuschen Gemahls und Schutzherrn der allerseligsten Jungfrau auf Erden, mit der Verehrung Marias gleichen Schritt hielt. – Monika wusste, wie hoch St. Joseph von Gott selbst verehrt wurde, auserkoren und aufgestellt als der Pfleger, als der Schutzengel Jesu in Kindes- und Jugendjahren. Der darum auch unter den Heiligen im Himmel gewiss einen hohen Platz einnimmt und beim König der Engel viel vermag. Monika meinte – und mit Recht – St. Joseph dürfe nicht in der Gesellschaft von Jesus und Maria fehlen, er ist ja reich an Gütern der Gnade und gleichsam gesetzt als Verwalter über Gottes Haus, denn von ihm spricht ja die Heilige Schrift: „Geht zu Joseph!“ – Sie hat in ihrem geistlichen Tagebuch auch verschiedene Andachten zum heiligen Joseph aufgezeichnet, unter andern zu seinen sieben Freuden und sieben Schmerzen. –

 

(Aus: Leben derselben von Hubert Weber)