Die Dominikanerin Metzi Sidwibri

 

Im Kloster der Dominikanerinnen zu Töß, in der Schweiz, verbanden die Schwestern mit dem Gottesdienst und Chorgebet auch noch andere Andachten. Im Chor und im Kreuzgang waren Heiligenbilder aufgestellt, unter diesen das Eccehomo-Bild, das Bild der Muttergottes, und in einer Nebenkapelle stand das Bild Epiphania: Maria mit dem Jesuskind und die heiligen drei Könige mit ihren Opfergaben. – Vor diesen Bildern verrichteten die Schwestern ihre besonderen Gebete und verbanden damit auch Venien (Abbitten = Ein Hinstrecken des ganzen Körpers auf die Erde, als Zeichen der tiefsten Demütigung und Anbetung).

 

Zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria wurde täglich das Offizium Unserer Lieben Frau gehalten. Ihr weihten die Schwestern vor allen Heiligen die höchste Verehrung. Um von der Huld ihrer Fürbitten bei Gott diese oder jene Gnade zu erwirken, beteten sie an bestimmten Tagen andächtig eine bestimmte Anzahl „Ave Maria“, oft fünfzig, oft drei Mal so viel, was sie dann einen „Psalter“ nannten. Diese „Ave Maria“ beteten sie in der Weise eines Rosenkranzes ab, sie zählend an Ringlein eines Kranzes, den sie in der Hand hielten und betrachteten dabei die Geheimnisse des Lebens, Leidens und der Verherrlichung Jesu und Mariä.

 

Unter den Dienerinnen der heiligen Gottesgebärerin zeichnete sich besonders Schwester Metzi Sidwibri aus. Sie fand sich öfters im Chor bei Unserer Lieben Frau Bildnis ein, verneigte sich da, und sah über sich – wie jemand, der irdische Dinge nicht mehr beachtet. Wenn man sie dann fragte, weil sie so oft und so lange Zeit vor dem Muttergottesbild kniete: „ob Maria nie mit ihr rede?“ antwortete sie in ihrer kindlichen Andacht: „Sie redet oft mit mir und lächelt mich an.“ – Zuweilen lief sie im Chor umher, als wäre sie vor Andachtsfreuden außer sich, und kam, wenn man das „Salve Regina“ sang zu den Schwestern und rief: „Singt, singt, die heilige Mutter Gottes ist hier!“ Und die Schwestern waren auch überzeugt davon, dass sie ihr erschienen sei, denn ihre Gebärden waren wie ein seliges Frohlocken und ihr Antlitz leuchtete wie in himmlischer Verklärung. –

 

(Aus: Deutsche Mystik im Prediger-Orden von Dr. C. Greith)