Der selige P. Jakob Rem aus der Gesellschaft Jesu

 

Der selige P. Jakob Rem, in Bregenz geboren, trat als zwanzigjähriger junger Mann in die Gesellschaft Jesu. In späteren Jahren ist er nach Ingolstadt geschickt worden, und weil sein Herz in seltener Liebe zur unbefleckt empfangenen und allzeit reinen Jungfrau und Gottesmutter entbrannt war, errichtete er, ihre Ehre zu vermehren, im Jahr 1595 eine „Marianische Versammlung“ oder „Colloquium“, wie man es genannt hat, unter der Anrufung der dreimal wunderbaren Mutter, deren Titel ihn allezeit in solche Liebesglut versetzte, dass er, wenn er in der Lauretanischen Litanei ausgesprochen wurde, vor Inbrunst der Andacht in die Höhe erhoben und wohl drei Schuh hoch über der Erde frei schwebend erblickt wurde. Eine solche Begebenheit ist noch in Figura in einer hinteren Ecke des Bürgersaales dargestellt. Über das alles war er ein sonderbarer Freund der Keuschheit, so dass er nicht mit Unrecht eine „Blume der Jungfräulichkeit“ genannt werden konnte. Er besaß auch im hohen Grad die Gabe der Prophezeiung und war wegen seines heiligen Lebenswandels weit und breit berühmt. Gar häufig hat er bei dem hochheiligen Geheimnis der Messe sich in der Luft schwebend gezeigt. Er wurde auch nicht selten von den armen Seelen im Fegfeuer um Hilfe angerufen. Natürlich war dieser Sohn Marias, und darum ein Gefäß der Heiligkeit, dem höllischen Feind ein Dorn im Auge, und er peinigte ihn durch die allerärgsten Versuchungen. So ist an der Tür ein Bildlein der heiligen Muttergottes unter Glas zu sehen, das der gottselige Mann in seinem Brevier hatte und der Teufel ihm an drei verschiedenen Stellen zerreißen wollte, wie es sich P. Rem eigenhändig aufschrieb. – In der Vorhalle zur rechten Seite, wenn man hineingeht, ist ein hölzernes Kästlein mit dem Bild des P. Rem. Nach Öffnung des Kästleins sieht man seine Gebeine gar armselig gefasst. Sie verdienten wohl eine reichere Zierrat und etwas mehr Wertschätzung. Auf der Stiege zum Chor ist das Originalbild des seligen P. Rem: sein schier farbloses, ganz abgemagertes Antlitz zeigt deutlich die Strengheit seines Lebens und seiner Enthaltsamkeit. Zudem schaut aber dennoch eine froh-fromme Milde aus seinen Augen, die einem ganz wohl tut und heilig stimmt. Unter dem Bildnis befindet sich eine Inschrift in lateinischer Sprache, die ihm ein sehr ehrenvolles Andenken hinsichtlich seines treuen Mariendienstes widmet. –

 

Der „Bürgersaal“ ist im Land Bayern der vortrefflichste und schönste und eine besondere Zierde der Stadt. – Im Jahr 1732 war P. Franz Seedorf, Professor der Theologie und Präses der „lateinischen Congregation“, ein gar unternehmender und seeleneifriger Mann. Dieser P. Seedorf kaufte einen freien Platz, an die Heilig-Kreuz-Kirche angrenzend, mit der Absicht, ein eigenes Oratorium für seine Bruderschaft darauf zu bauen. So entstand der ausnehmend schöne „Bürgersaal“, der bis zum Jahr 1736 vollendet war. Überaus kunstreich ist der Plafond von den Gebrüdern Asam gemalt, die Verehrung der glorreichen Himmelskönigin in allen vier Weltteilen vorstellend. Die Ölgemälde an den Seitenwänden, so die vornehmsten Verehrer Marias aus der Heiligen-Legende enthalten, sind von nicht minder berühmten Meistern als von Götz, von Wohler gemalt. Über alles Lob erhaben sind auch die Stuckatur- und Holzschnitz-Arbeiten und wert etwas genauer betrachtet zu werden. – In der Sakristei wird eine prachtvolle Monstranz aus Silber, Perlen und kostbaren Steinen aufbewahrt, die gar kunstreich die Seeschlacht bei Lepanto darstellt, die die Christen durch die Hilfe Mariä siegreich gegen die Türken geschlagen hat. Sie ist aus dem Sturm der Säkularisation noch gerettet worden bis auf den Fuß, der entwendet und durch einen kupfernen ersetzt wurde. Eben dort ist auch ein Crucifix von Elfenbein zu sehen, ein Geschenk des hochberühmten Generals Johann Tzerklas Grafen von Tilly.

 

Nach dem Jahr 1800 trat die „lateinische Congregation“ dieses Oratorium an die Bruderschaft „Maria vom Siege“ ab, die, im Jahr 1612 gestiftet, zu anfangs in dem St. Georgi-Kirchlein, am Kaiserheimer Haus, alsdann in einem eigenen Betsaal ihren Sitz hatte, der zur linken Hand der Frauenkirche stehend, nun ein Wohnhaus geworden ist. –

 

(Aus: Das alte Ingolstadt von Ludwig Gemminger)