Der selige Kapuziner-General Laurentius

 

Der selige Laurentius von Brundusium, General des Kapuziner-Ordens, verband mit der Liebe zu Christus, dessen Leiden ihn beständig zu Tränen rührte, eine zarte Verehrung der göttlichen Mutter, der allerseligsten Jungfrau Maria.

 

Um seiner Andacht zu dieser Königin der Engel und der Menschen genügen zu können, erlaubten ihm die Päpste, Clemens VIII. und Paul V., auch an den Tagen, an denen ein Festum duplex einfiel, die Marianische Votiv-Messe zu lesen, und er machte von diesem Privilegium täglich, außer an den größten Festen des Herrn, Weihnachten, Ostern, Pfingsten usw. Gebrauch.

 

Ihr zu Ehren fastete er an allen Samstagen und an den Vorabenden ihrer Hauptfeste bei Wasser und Brot, eine Übung, die er weder bei den anstrengendsten Reisen, noch bei den heftigsten Gichtleiden unterließ.

 

Seine kindliche Liebe zu Maria würde unbefriedigt geblieben sein, wenn er sich nicht bemüht hätte, ihre Tugenden nachzuahmen. Besonders versuchte er ihrer tiefen Demut und ihrer unverletzten Reinheit nachzufolgen. Er erwies sich stets als der Demütigste von allen und bewahrte eine engelhafte Reinheit. Trotz seiner großen Talente hatte er für sich selbst nur Gefühle der Geringschätzung und Verachtung. Im Hinblick auf die Mutter Jesu unter dem Kreuz, ertrug er die bittersten Spottreden, die schwärzesten Verleumdungen, die schimpflichsten Beleidigungen. Er suchte und ergriff mit aufrichtigstem Verlangen die Demütigungen. Er wich mit demselben Eifer den Würden und Ämtern aus, mit denen andere sie suchen. So viel wie möglich die Ehrenbezeugungen der Großen vermeidend, gefiel er sich nur in der Niedrigkeit. Indem er das heiligste und tadelloseste Leben führte, erachtete er sich als den größten Sünder. Und die Demut des Laurentius blieb sich immer gleich, war immer groß und heldenmütig, weil treu gepflegt mit der Liebe zu Maria.

 

Diese zarte Andacht zu der Gebenedeiten des Herrn, die ihn selbst erfüllte, versuchte er auch anderen einzuflößen. In Neapel, Verona und in anderen Städten, wo er die Fastenpredigten hielt, predigte er, außer der gewöhnlichen Predigt am Vormittag, nachmittags stets über die Größe, Verehrung, Anrufung und Nachahmung Marias.

 

Diese gute Mutter zeigte ihm auch, wie wohlgefällig ihr sein Dienst sei, dadurch, dass sie ihm große Gnaden von ihrem Sohn erflehte. Ihr verdankte er in einem Augenblick die Kenntnis der hebräischen Sprache. Als er nämlich das Hebräisch-Studium begann, deren Schwierigkeiten schon St. Hieronymus erfahren hatte, bat er voll Vertrauen Maria, die „Hilfe der Christen“, sie möge ihm behilflich sein, die großen Hemmnisse, auf die er stieß, zu überwinden. Seine Bitte wurde von der „Vermittlerin der göttlichen Gnaden“, wie St. Bernhard sie nennt, erhört, denn er sank in einen leichten Schlummer und fand sich, aus ihm erwachend, mit der vollkommenen Kenntnis der hebräischen Sprache ausgerüstet. Ihr verdankte er auch die Heilung eines heftigen und gefährlichen Brustübels, das ihn während seiner Noviziats-Zeit gar sehr peinigte.

 

Ihr verdankte er die in so wunderbarer Weise geschehene Rettung seines Lebens in der blutigen Schlacht der Kaiserlichen gegen die Türken. Ihr verdankte er das Wunder, durch das er jenem Säbelhieb entging, den ein Türke nach seinem Kopf führte, und von dem man nur eine kaum bemerkbare Narbe noch erkannte.

 

Im Jahr 1613 auf einer Reise nach Rom unterwegs, verweilte er die ganze heilige Fastenzeit hindurch in Loretto, um dort seiner Andacht zur allerseligsten Jungfrau zu genügen, deren mächtigen Beistand er so oft in den Kämpfen gegen die Häresie und gegen die Feinde des christlichen Namens überhaupt erfahren hatte. In dem „Heiligen Hause Marias“ zu Loretto brachte Laurentius, während seines Aufenthaltes, stets am frühen Morgen das heilige Messopfer dar, und diente dann bei all den übrigen heiligen Messen, die noch gelesen wurden, um ja recht lange am Altar der Gnadenvollen andachtsvoll und dankbar verweilen zu können. –

 

(Aus: Leben des Laurentius von Brundusium von P. L. von der Schulenburg)