Der selige Dominikaner-Prior Hermann

 

Der selige Bruder Hermann, erster Prior des Dominikanerklosters zu Friesach in Kärnten, war inniglich von Andacht und Liebe zur heiligen Muttergottes erfüllt, deren Andenken er stets, wie ein frisches Vergissmeinnicht-Blümchen, in seinem Herzen trug.

 

Marias wunderbare Schönheit an Leib und Seele pflegte er im Einzelnen zu betrachten, und betete zur Verehrung eines jeden Vorzugs ihres Leibes und einer jeden Tugend ihrer Seele einmal den Gruß des Engels: „Ave Maria!“ – So verehrte er die Heiligkeit ihres Herzens, die Majestät ihres Angesichts, die unbeschreibliche Reinheit ihres keuschesten Schoßes, der den eingeborenen Sohn Gottes getragen hatte, ihre jungfräulichen Brüste, die ihn genährt haben, ihren rosigen Mund, mit dem sie das holdselige Christuskindlein so oft geherzt und geküsst hatte, ihre lilienweißen Arme und Hände, mit denen sie das Kind so liebreich umfangen und getragen hatte, usw. – Dann ging er an die Beschauung ihrer inneren Schönheit, der Tugenden nämlich, die ihre heiligste Seele geziert haben. Und er bewunderte so: ihren festen Glauben, ihre tiefste Demut, ihre brennendste Liebe, ihre engelhafte Unschuld und Reinheit, ihre unbefleckte Jungfräulichkeit in der Mutterschaft, ihre unüberwindliche Geduld usw.

 

Diese seine ihm eigentümliche Marianische Andacht beschloss Bruder Hermann stets mit der Bitte an den Herrn und den Worten: „Allerliebster Jesus, mache mich würdig, deine und meine Mutter, die schönste und preiswürdigste von allen, mit dem Mund zu loben, mit dem Herzen zu lieben und zu verehren und ihr in den Werken nachzufolgen!“ –

 

(Aus: Blumen aus dem Garten des heiligen Dominikus von P. F. Ratte)