Der heilige Pfarrer von Ars

 

Die Andacht des im Jahr 1859 gestorbenen heiligen Johann Baptist Vianney, des Pfarrers von Ars in Frankreich, zur allerseligsten Jungfrau Maria war eine so innige, zarte und hohe, dass man sie wahrhaft bewundernswert nennen darf. Doch unter all den vielen Ehrentiteln, mit der wir ihre Güte und Macht erbitten, wandte er sich vorzugsweise an Maria, als die „Mutter der Barmherzigkeit“ und die „Zuflucht der Sünder“.

 

Als er nach dem Antritt des Pfarramtes zu Ars alsbald seine Sorge der Vergrößerung der kleinen Kirche daselbst zuwendete, beschäftigte er sich gleich anfangs damit, eine Kapelle zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria zu errichten. Diese Kapelle, die man zur Rechten, nach der Mittagsseite hin, sich erheben sieht, war geschmückt mit einer schönen Statue der gebenedeiten Himmelskönigin, von natürlicher Größe, wie sie, in der Form von Strahlen, mit ihren mildreichen Händen reiche Schätze geistlicher Gnaden spendet. Auf ihrer jungfräulichen Brust sieht man ein großes goldenes Herz mit den Namen aller Familien von Ars. Seit dem 1. Mai 1836, dem heiligen und trostvollen Gedächtnistag, an dem der liebevolle Hirt durch eine allgemeine und feierliche Weihe seine ganze Herde – Maria, der unbefleckt empfangenen und allzeit unbefleckt gebliebenen Jungfrau, darbrachte, nahm die Pfarrei eine ganz neue Gestalt an und gewann jenen religiösen Charakter, der sie noch heute unter allen Pfarreien der Diözese auszeichnet.

 

In dieser besonders geliebten Kapelle der heiligen Jungfrau feierte der fromme Pfarrer jeden Samstag die heilige Messe und betete dort für die armen Sünder mit jener engelhaften Inbrunst, die so oft auch auf die größten unter ihnen die mitleidsvollen Blicke der Mutter der Barmherzigkeit herabzog. Zu diesem allgemein verehrten, vor der Kanzel aufgestellten Bild Marias, wandte er sich mit Vertrauen je am Schluss seiner Christen-Lehre, um zum Heil der armen Sünder, der Kranken, der Schwachen, der Abwesenden, der Zuhörer seine Gebete an sie zu richten, indem er sie alle und sich selbst unter den gnädigen Schutz dieser Patronin stellte. An sie wandte er sich auch stets am Schluss seines Abendgebetes. Dorthin, zu den Füßen dieser guten Mutter der Gnade und Erbarmung, schickte er die Pilger, um ihre eigene Bekehrung oder die der teuren Personen, für die sie Marias Schutz anzuflehen gekommen waren, zu erbitten. Wer könnte ermessen, welche Ströme von Tränen der Reue, der Liebesglut und der Dankbarkeit vor diesem so sehr verehrten Bild Marias schon vergossen worden sind! –

 

(Aus: Der Pfarrer von Ars J. B. Vianney von M. de Montrond)