Carl Odescalchi, Kardinal

 

Der Fürst Balthasar Odescalchi, Kardinal und Generalvikar von Rom, Erzbischof von Ferrara, Herzog Bracciano und Ceri im Kirchenstaat und von Sirmien in Ungarn, später Mitglied der Gesellschaft Jesu, von dem einst seine durch ihn gar glückliche Herde ausrief: „Er ist der Engel des Friedens, der Vater der Armen, unser heiliger Carl; glücklich die Mutter, die ihn in ihrem Schoß trug!“ – erwies sich in allem als ein echter geistlicher Sohn Marias, und suchte durch sein Wort und sein Beispiel und die sorgfältigste Pflege ihrer Feste auch andere zu ihrer Verehrung anzuregen und das Vertrauen der Gläubigen auf die hehre Fürbitterin der Menschen bei Gott zu beleben.

 

Er stellte die Stadt Ferrara unter die Obhut der göttlichen Mutter. In feierlicher Weise krönte er zu St. Paul das wundertätige Gnadenbild der Madonna del Carmine und trug es durch die volksreichsten Straßen der Stadt, damit diejenige im Himmel, auf die es hinweist, über die Einwohner Ferraras alle Segnungen des himmlischen Vaters erflehe. – Der Domkirche widmete er das Standbild „Unserer Lieben Frau von den sieben Schmerzen“, und stattete deren Altar aus unter der Bedingung, dass an jedem Sonntag das Gebet zu der schmerzhaften Mutter gehalten und darauf mit dem allerheiligsten Sakrament der Segen erteilt werde. Er selbst verfasste dazu die Gebete und versah sie mit einem Ablass.

 

Er pflegte Maria immer „seine Mutter“ zu nennen und hatte – nach unserem göttlichen Heiland – sein ganzes Vertrauen auf sie, als eine „gute Mutter“ gesetzt. Er erklärte, unzählige Gnaden für Seele und Leib empfangen zu haben, und insbesondere verdanke er es ihrer Hilfe, dass es ihm endlich gelungen war, alle Hemmnisse zu beseitigen, um in die Gesellschaft Jesu einzutreten. – Als er eines Tages mit einem Pater von der Verehrung der heiligen Muttergottes redete, sagte er: „Pater, ich glaube gern, dass andere Maria mehr lieben als ich; aber im Vertrauen auf sie übertrifft mich gewiss niemand!“

 

In allen geistlichen Vorträgen, die er hielt, unterließ er es niemals, die Vorzüge Marias zu verherrlichen, und seinen Zuhörern es dringend anzuempfehlen, in allen geistlichen und zeitlichen Nöten und in allen Zweifeln die Zuflucht zu ihr zu nehmen, da sie ja die Mutter der Barmherzigkeit sei. –

 

Besonders bestrebt war er auch, die Andacht zu ihrer unbefleckten Empfängnis zu befördern. Täglich betete er die kleinen Tagzeiten zu Ehren dieses gnadenreichen Geheimnisses; und mochten ihn auch noch so viele und dringende Beschäftigungen in Anspruch nehmen, dann fand er doch immer noch einige Zeit, um diesen Dienst zu Ehren der heiligen Muttergottes zu verrichten.

 

Jeden Samstag beobachtete er strenges Fasten, und an den Tagen vor den Festen der allerseligsten Jungfrau verband er damit auch die strenge Abstinenz (In Italien bestand noch der Unterschied zwischen einfacher und strenger Abstinenz. Letztere verbietet nicht nur den Genuss von Fleischspeisen, sondern auch noch von Milch, Butter, Käse und Eiern.); und diese harte Enthaltsamkeit setzte er nicht einmal bei den Missionen aus, trotz der großen Anstrengungen.

 

Auf seinen bischöflichen und Missions-Wanderungen betete er täglich ein besonderes, langes Reisegebet und mehrere „Litaneien der allerseligsten Jungfrau“, viele „Vaterunser“, zu Ehren verschiedener Schutzheiligen, mehrere Male das „Aus der Tiefe“ für die Verstorbenen und Gebete zum heiligen Schutzengel. – Außerdem betete er bei jeder Stadt und bei jedem Dörfchen, das man berührte, drei Mal das „Ehre sei dem Vater“ zum Preis des allerheiligsten Sakraments, ein „Gegrüßet seist du, Maria“, zur heiligen Muttergottes, ein „Engel des Herrn“ zum heiligen Schutzengel und ein „Requiem“ für die Verstorbenen.

 

In jeder Lage seines Lebens, und beim Gedenken an das Heil der Lebenden und die Peinen der armen Seelen und bei jeder schweren Bedrängnis der Kirche pflegte er dringend und andachtsvoll zu beten: „Maria hilf!“ –

 

(Aus: Leben desselben von Dr. Friedrich von Hurter)