Das Marienbild zu Radna

 

(Aus: Die Gnadenbilder Ungarns von Jordanszky)

 

Als im Jahr 1695 der türkische Sultan Mustafa nach der Wiedereroberung der Festung Lippa die ganze Gegend am Fluss Marosch mit Feuer und Schwert verheerte, ist auch die Kapelle in Radna ein Raub der Flammen geworden. Die Türken haben erst alles Gerät aus der Sakristei und von den Altären samt dem Marianischen Altarbild in der Mitte der Kirche auf einen Haufen geschleppt und angezündet, dann verbrannten sie auch die Kapelle. Allein das Marienbild, obwohl es nur auf Papier gemalt war, ist mitten unter den Flammen unversehrt geblieben, nur dass es vom Rauch ein wenig braun wurde, wie man es noch heutzutage bemerkt. – Bei dieser Gelegenheit sind zur allgemeinen Verwunderung, bei einer vollkommenen Windstille die brennenden Schindeln über die Marosch gegen Lippa geflogen und haben dort unter den staunenden Türken eine jämmerliche Niederlage verursachte, so dass der türkische Befehlshaber die gottesräuberischen Mordbrenner zu verhaften und hinzurichten befahl. – Eben damals geschah es auch, dass, als ein Spahi oder türkischer Reiter gegen die Kirche in der Absicht geritten kam, dieselbe aufs Neue anzuzünden, sein Pferd in einen Stein, der wie Wachs sich erweichte, versunken ist und nicht weiter fortschreiten konnte. Besagter Stein mit den eingeprägten Fußzeichen kann man noch heute in der Kirchenmauer sehen.

 

Nicht lange darauf wurde Radna durch den am 26. Januar 1699 durch Kaiser Leopold I. mit den Türken zu Carlowitz geschlossenen Frieden vom türkischen Joch befreit.

 

Viele Augenzeugen der damaligen Zeit versicherten, dass sie oft nächtlicher Weile um das Gotteshaus mit dem im Feuer wunderbar erhaltenen Marienbild, eine solche Beleuchtung gewahrten, als wäre die ganze Kirche in Flammen gestanden. Selbst die Türken von Lippa und die griechischen nicht-unierten Bewohner der Umgegend haben diesen anhaltenden Glanz gesehen, weshalb die frommen Gläubigen Anlass nahmen, ihnen die erhabene Würde, Huld und Macht der heiligen Muttergottes zu verkündigen. Hieraus entstand der Gebrauch, dass sich nach der Kirche von Radna nicht allein Katholiken und unierte Griechen und Wallachen, sondern auch Nicht-Unierte in großer Anzahl begaben. Auch wurden viele Beispiele in das Gedenkbuch eingetragen: dass von diesem geheiligten Bild Marias mehrere nicht-unierte Griechen, ja sogar einige Türken mit außerordentlichen Gnaden von Gott durch die Fürbitte Marias beschenkt worden sind, die alsdann auch zum wahren Glauben der heiligen katholischen Kirche sich bekehrten.