Das Marienbild zu Aufkirchen

 

(Aus: Bayerns Hochland zwischen Lech und Isar, Johann Nepomuk Ingerle, München, Fleischmann, 1863)

 

Von dem reizend gelegenen Landhäuschen bei Assenbuch am Würmsee schlängelt sich ein ziemlich steiler und dabei schattenloser Weg auf die luftige Höhe zur Wallfahrt Aufkirchen. Die Stationen des Leidensganges Jesu Christi, in jüngster Zeit auf Kosten des königlichen Baurates Himbsel vollendet, zieren den von andächtigen Pilgern vielbetretenen Pfad. An den vierzehn Bet-Stätten sind auf Naturfelsen und auf marmornem Sockel in gemauerten Nischen die kunstvollen Bilder in erhabener Arbeit aus gebrannter Erde aufgestellt.

 

Vor Jahrhunderten stand nicht weit vom Gestade, rings von den ehrwürdigen Schauern einsamer Walddämmerung umfangen, eine schmucklose Kapelle. Ein bleiches Marienbild, durch die sanften Gesichtszüge so recht geeignet, in den empfindsamen Gemütern hart Bedrängter Vertrauen zu erwecken, zog große Scharen frommer Waller heran. Viele fühlten sich gestärkt oder fanden Erleichterung in ihren Nöten, und der Zudrang wurde um so größer. Für die wachsende Menge wurde das Kirchlein zu klein. Selbst manches ex voto hierher gespendete Bild schwankte als Zeuge erhörter Herzenswünsche draußen an den Zweigen der Bäume, weil die Wände des Heiligtums keinen Raum mehr boten. – Kaum aber ward der Wunsch nach einem größeren Gotteshaus rege, so lagen – als Beweis des tief religiösen und opferwilligen Sinnes der damaligen Zeit – in wenig Wochen die Mittel bereit. Der Landesfürst Albrecht IV. der Weise, und seine Gemahlin Kunigunde, wie auch Herzog Sigmund, der sich schon durch die Erbauung der Münchener Frauenkirche ein großartiges Denkmal setzte, leisteten ebenfalls ergiebige Beiträge zum Gelingen des löblichen Unternehmens. Alle Vorbereitungen waren getroffen. Da entstand ein heftiger Streit über den Ort, wo die neue Marien-Kirche stehen sollte. Ein kluger Priester wusste hierüber Rat zu geben und erklärte: die Wahl des Platzes einer höheren Fügung zu überlassen. Der Vorschlag wurde angenommen. Man lud den Grundstein auf einen Wagen, spannte zwei Ochsen vor, trieb diese gegen die Anhöhe, und überließ sie dann gänzlich ihrem Zug. Nach kurzer Zeit blieben die Tiere stehen. Der Stein wurde abgeladen, und hier der Tempel von Aufkirchen zu Ehren der allerseligsten Jungfrau erbaut. Gar viele wunderbare Ereignisse sollen während der Erbauung des Gotteshauses sich zugetragen haben.

 

Im Herbst des Jahres 1625 brach ein Feuer aus. Die Glut verzehrte alle Altäre, und so groß war die Hitze, dass das Blei der Fenster schmolz. Das Gnadenbild Marias blieb unbeschädigt, aber die ihm zur Seite stehenden Engelsfiguren wurden von den Flammen ergriffen, und bis heute erinnern die halbverbrannten Leiber der Himmelsknaben dicht bei der Pforte den Eintretenden an das wundervolle Ereignis.

 

Die Rettung der Madonna aus solcher Not begünstigte nicht wenig den Aufschwung der Wallfahrt.