Das Gnadenbild auf dem Hradschin zu Prag

 

(Aus: Prag und seine Umgebung, Sebastian Willibald Schießler, 1813)

 

Das Marianische Gnadenbild bei den Kapuzinern auf dem Hradschin zu Prag ist um das Jahr 1550 von den Calvinisten zu Rottenburg am Neckar in das Feuer geworfen, zwölf Stunden lang darin unverletzt erhalten und etwa nach zehn Jahren einem Diener des Kaisers geschenkt worden.

 

Als dieser Diener es den Kapuzinern verehrte, und dasselbe mit vielen Zeichen und Wundern leuchtete, ließ es Kaiser Rudolph den Kapuzinern abnehmen und in seiner Hofkapelle aufstellen. – In der folgenden Nacht, als die wohlehrwürdigen Kapuziner zur Mette läuteten, kam das heilige Muttergottesbild selbst zu dem Kloster, zog stark an dem Glöcklein der Pforte, und wurde von den andächtigen Vätern mit Freuden empfangen und seiner seitherigen Stätte wiedergegeben. Der Kaiser ließ es zwar wieder zurückfordern und zur Sicherung des hochwerten Besitzes in seine Kunstkammer verschließen. Es kehrte aber in der folgenden Nacht und auf die vorige Weise zurück, und wurde im Kloster mit noch viel größerer Freude aufgenommen.

 

Der Kaiser beließ es nun in der Klosterkirche.

 

Seitdem glänzte es mit vielen Mirakeln, veränderte vielmal seine Gestalt und gab manchem Gläubigen sein zukünftiges Glück oder Unglück zu erkennen.