"Schönes" Sterben

 

1. Der ehrwürdige Diener Gottes. Alexis von Vigevano, aus dem Kapuziner-Orden, bat kurz vor seinem seligen Tod einen von seinen Mitbrüdern, mehrere Wachslichter anzuzünden.

Auf die Frage, warum er das verlange, gab er zur Antwort: „Da Unsere Liebe Frau mit ihrem Bräutigam, dem heiligen Josef, mich in kurzer Zeit besuchen wird, so geziemt es sich, mit größter Hochachtung beide zu empfangen!“

Bald darauf konnte man wahrnehmen, dass der hehre Besuch stattfand. Freudigst rief der Sterbende aus: „Da ist Maria, die Königin des Himmels! Da ist der heilige Josef! Kniet nieder, meine Väter, um sie würdig zu empfangen!“

Er selbst aber genoss die ersten Früchte der Gegenwart Marias und Josefs, denn er gab in demselben Augenblick seinen Geist auf.

Es war am 19. März, dem Fest des heiligen Josef.

 

2. Der heilige Bischof Richard fühlte, dass die Stunde seines Sterbens nahe sei. Er ließ sich deshalb das Bild der gebenedeiten Mutter Christi bringen, küsste es mit Andacht und rief dann die Worte der Kirche aus: „Maria, Mutter der Gnade! Mutter der Barmherzigkeit! Beschirme mich vor dem Feind und nimm mich auf in der Stunde meines Todes!“

Hierauf empfahl er seinen Geistlichen dieselben Worte auszusprechen, und übergab seine Seele in die Hände des Herrn.

 

3. St. Franziskus Xaverius wiederholte öfter auf dem Totenbett die Seufzer: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Dann wandte er sich zu Maria, der Mutter des Herrn und sprach: „Vergiss meiner nicht! Jetzt erst beweise es, dass du meine Mutter bist!“

 

4. Kaiser Ludwig der Fromme, folgte ganz in der Hingebung zu Maria, der glorreichen Himmelskönigin, seinem erlauchten Vater Karl dem Großen. Er trug ihr Bild überall bei sich auf Reisen und Jagden. Wenn er sich zuweilen entfernt hatte von seinem Hof und allein im Wald sich befand, sprang er vom Pferd, zog seine mit goldenen Nägeln beschlagenen Handschuhe eiligst aus, und das verehrte Muttergottesbild aus der Brusttasche ziehend, legte er es an den Fuß einer Eiche hin und hielt vor ihm seine Andacht.

Er übergab dieses Bild später der prächtigen Abtei Hildesheim, die er zu Ehren der heiligen Jungfrau erbauen ließ.

Während seiner letzten Krankheit begehrte er an einem Samstag, der der gebenedeiten Jungfrau besonders gewidmet ist, obgleich er schon ungemein schwach war, dass die Tagzeiten zu ihrem Preis in seiner Gegenwart abgesungen würden. Am folgenden Sonntag (es war am 20. Juni 840) empfing er zum letzten Mal die heilige Kommunion, und begehrte den Segen von seinem Beichtvater. Dann machte er das Zeichen des heiligen Kreuzes auf die Stirn und die Brust, sah mit lächelndem Antlitz himmelan, und gab seine Seele in die Hände seines Schöpfers zurück.

 

5. In dem Kloster San Onofrio zu Rom lag, am 24. April des Jahres 1595, einer der größten Dichter Italiens, Torquato Tasso, auf dem Sterbebett. Er bat den jungen Paul Rubens, der teilnehmend ihn besucht, von seinem Hals das silberne Madonna-Bildchen abzunehmen, das er einst dem Vater dieses berühmten Malers zum Geschenk gegeben hatte. „Du sollst das Madonna-Bildchen wieder erhalten“, sagte er leise und andachtsvoll zu ihm, „wenn meine Lippen ihren letzten Hauch auf dasselbe haben verwehen lassen!“ Rubens gehorchte sogleich und der Dichter des hochherrlichen Werkes „das befreite Jerusalem“ stammelte einige Gebets-Seufzer, indem er das Muttergottes-Bildchen in seinen schon von dem Schauer des Todeskampfes zitternden Händen hielt.

Als dem Leichnam des Gefeierten einige Tage nachher die Ehre des Triumphes zuerkannt worden war, konnte Paul Rubens allein unter den unzähligen Leidtragenden dem Wagen nicht folgen, den die Gebeine seines edlen Freundes belasteten. Er flüchtete sich in den abgelegensten Winkel der St. Peters-Kirche, und da, niedergeworfen vor dem Altar der allerseligsten Jungfrau Maria, betete er mit Inbrunst für die Seelenruhe des Abgeschiedenen: indem er die silberne Madonna, die er aus den erstarrten Händen Torquato Tassos wieder zurückgenommen hatte, in seinen Händen hielt, mit seinen Küssen bedeckte und mit seinen Tränen benetzte.

 

6. Der durch seine Großartige Gelehrsamkeit berühmte Justus Lipsius äußerte auf seinem Sterbebett: „O wie wohl bekommt es mir, ein Sodal der allerseligsten Jungfrau Maria gewesen zu sein!“

 

7. Der griechische Kaiser Andronikus II. trug gewöhnlich ein Marienbildchen am Hals. Es war von Gold und so klein, dass er es in den Mund nahm, als er vom Tod überrascht wurde, weil er keine andere Wegzehrung erhalten konnte.

 

8. Der gottselige junge Mann Alexander Bertius aus Florenz lag im Sterben, und je näher ihn das Leiden dem letzten Stündlein brachte, desto größer schien die Wonne seines Herzens zu werden.

Als die glühende Abendröte noch einmal sein liebes Marienbild beleuchtete und gleichsam verklärte, flammte in ihm die Sehnsucht auf, recht bald das hehre Antlitz der heiligen Muttergottes im besseren Jenseits schauen zu dürfen. Er erhob mit aller Anstrengung seinen geschwächten Leib, setzte sich auf und nachdem er lange geschwiegen hatte, rief er: „Zum Himmel, zu Maria! Zum Himmel, zu Maria!“

 

9. Die heilige Radegunde, die von ihrem Gemahl König Lothar verstoßene Fürstin, bat auf ihrem Totenbett mit Tränen: „man möge sie in der von ihr erbauten Marien-Kirche beisetzen“. Und als man sich anschickte, ihrem Wunsch zu entsprechen, da wurde sie so froh und freudig und schlummerte so ruhig hinüber in die Ewigkeit, wie ein Kind sanft einschläft auf dem Schoß seiner Mutter.