Das Sterben des hl. Stanislaus

 

(Von I. H. Delabar, „Ave Maria“, 1913, Heft 8, S. 174)

 

Vom heiligen Stanislaus Kostka wird uns erzählt, dass er zur Bewahrung seiner Unschuld und der Erlangung der ewigen Seligkeit besonders der Verehrung Mariä sich beflissen und ihrem Dienst gewidmet habe. Um sich als treuer und eifriger Diener der seligsten Jungfrau zu beweisen, rief er sie nicht bloß stets um ihre Fürsprache bei Gott an, sondern trug auch an seiner Seite nach der Vorschrift seines Ordens ununterbrochen des Rosenkranz. Der heilige Stanislaus wurde bekanntlich von Gott bald aus dieser Welt abgerufen, um den Lohn seiner Frömmigkeit im Himmel zu erlangen, und Gott bereitete ihn zur Reise aus dieser Welt durch eine längere Krankheit vor. Während der zeigte er sich ebenfalls als einen wahren Jünger Mariä, denn den Rosenkranz hatte er stets um seinen Arm gewunden. Als ihm ein geistlicher Bruder deshalb die Frage stellte, wozu er denn den Rosenkranz brauche, da er ja wegen der Heftigkeit seiner Schmerzen nicht imstande sei, ihn zu beten, antwortete der Heilige: „Es ist wahr, ich bin nicht imstande, den Rosenkranz, den ich in der Hand halte, zu beten, indessen erinnere er mich doch an meine gute Mutter Maria und das ist gewiss viel.“ Stanislaus starb bald darauf, nachdem ihm zuvor noch die allerseligste Jungfrau in einer Entzückung erschienen war, in der Freude des Herrn.

 

So sollten alle Kranken sich auch befleißen, den Rosenkranz als wahres Kleinod stets bei sich auf ihrem Schmerzenslager zu haben, denn wenn sie ihn auch nicht zu beten imstande sind, so werden sie durch ihn oftmals an Maria erinnert, die wir ja täglich anrufen sollen, dass sie für uns bitten möge in der Stunde des Todes.