Das Erbitten des Marien-Schutzes für die Todesstunde

 

Einer der berühmtesten Dichter und Gelehrten Italiens, Francesco Petrarca, die Zierde des 14. Jahrhunderts, erbat sich, wie das vor ihm so viele Heilige auch getan haben, in den inständigst bittenden Ausdrücken den „Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria für seine letzte Stunde“.

 

„O allerschönste Jungfrau Maria“, rief er aus, „gewähre mir deinen Beistand für meinen Todeskampf! Fester Schild, unter dem man dem bösen Feind entflieht, unter dem man siegt, milde und süße Jungfrau: ich komme mit einem vor dir sich neigenden Herzen, um dich zu bitten, du mögest mir zum Geleit dienen und mich armen Verirrten zum glücklichen Ziel führen! Heilige und barmherzige Jungfrau, zögere nicht, mir beizustehen, denn ich lebe vielleicht schon im letzten Jahr meines Lebens! Meine Tage, schneller als der Pfeil, sind mitten unter Sünden und Leiden dahin geflossen!

 

Ich habe nichts anderes zu erwarten als den Tod!

 

Du, auf die ich meine Hoffnung gesetzt habe; du, die du mir in meinen drängenden Nöten beistehen kannst und willst, verlass mich nicht in meiner letzten Stunde!

 

Prüfe nicht, wer ich bin; sieh nur den an, der sich gewürdigt hat, mich zu erschaffen; prüfe nicht, was ich wert bin, sondern betrachte in mir nur das hehre Bild Gottes, damit es dich antreibe, mir Armseligen beizustehen!

 

O Jungfrau, erfülle mit heiligen und frommen Tränen mein schmachtendes Herz, damit wenigstens meine letzten Tränen Gott geweiht seien; mögen sie rein sein von jedem Erdenschlamm und frei von jedem törichten Gedanken!

 

Der Tag naht heran, er wird nicht zögern; die Zeit eilt und flieht dahin!

 

O mitleidige Jungfrau, bald ergreift der Schrei meines Gewissens, bald der Schrecken des Todes mein Herz!

 

Empfiehl mich deinem Sohn, dem wahren Gott und Menschen; möge er in seinen Frieden meine letzten Seufzer aufnehmen!“

 

Petrarca hatte sich in der letzten Zeit seines Lebens nach Arqua, einem Dorf in der Nähe von Padua, zurückgezogen. Er starb in der Nacht des 18. Juli 1374 und zwar buchstäblich bei den Studien. Man fand ihn des Morgens in seiner Bibliothek, indem er, die Hand auf ein Buch stützend, in dem er soeben gelesen hatte, sanft in die Ewigkeit hinüberschlief.