Der Orden der Frauendistel

 

(Aus: Die dreifache Krone Marias von P. Franz Poirè)

 

Im Jahr 1370 setzte Ludwig von Bourbon, genannt der „gute Herzog“, der zweite des Namens, den Orden der Ritter der Frauendistel unter der Regierung Carls VI., seines Neffen, ein.

 

Da dieser Fürst in der höchsten Bedrängnis, worin sich Frankreich durch die Engländer befand, seine ganze Hoffnung nächst Gott auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria gesetzt hatte, so bildete er diesen Orden aus sechsundzwanzig der tapfersten Ritter, die sich in Frankreich befanden. – Sie trugen immer einen Gürtel von himmelblauen Sammet mit rotem Atlas gefüttert und mit Goldstickerei eingefasst, worauf das Wort „Hoffnung“ gleichfalls in Goldstickerei geschrieben stand. Er schloss mit einer Schnalle und Zunge von feinem Gold, die mit dem grünen Schmelzwerk wie der Kopf einer Distel, des Symbols ihrer Selbst-Verdemütigung, ausgezackt waren. An hohen Festen, und namentlich am Tag der Unbefleckten Empfängnis Mariä, die als großes Fest des Ordens gefeiert wurde, erschienen die Ritter mit Soutanen von hochrosenrotem Damast mit weiten Ärmeln, die sie mit ihren blauen Gürteln banden. Außerdem hatten sie einen großen Mantel von himmelblauem Damast mit Goldstickerei verbrämt, eine große Kette mit rotem Atlas gefüttert und ein Mäntelchen von grünem Sammet, worüber sie die große Ordenskette von feinem Gold trugen, die sechs Mark schwer war und im Rücken mit goldener Schnalle und Zunge wie der Gürtel schloss. Sie bestand aus ganzen und halben Rauten mit doppeltem Rand, welche grün emailliert, offen und schlüsselförmig und mit goldenen Lilien und dem Wort „Hoffnung“ in antiken Anfangsbuchstaben auf jeder rotemaillierten Raute gefüllt waren. Am Ende der Kette hing auf der Brust ein Opal herab, dessen Kreis grün und rot emailliert war. In der Mitte des Opals sah man das Bild der allerseligsten Jungfrau Maria von einer goldenen Sonne umgeben, von zwölf silbernen Sternen gekrönt, mit einem silbernen Halbmond unter den Füßen, purpurrot und himmelblau emailliert, und am Ende des Opals erblickte man einen grün emaillierten und weißgezackten Distelkopf.