Glorreiche Siege über die Ungläubigen

 

Der heilige Ferdinand III., König von Kastilien und Leon, ein gottesfürchtiger Mann und treu ergeben der glorreichen Himmelskönigin Maria, auf die er in allen Lagen seines Lebens ein unwandelhaftes Vertrauen setzte, vermied sorgfältig alle Anlässe zu Kriegen mit den Königen von Portugal, Aragonien, wie auch mit Eleonora, Königin von England, der er den Besitz von Gascogne hätte streitig machen können. Sobald seine Rechte zweifelhaft schienen, wollte er sie nicht zur Geltung bringen; er gab sogar mehrere Plätze zurück, aus Furcht, die Ursache zu einem Zwist zu werden. Sein ganzes Verlangen war dagegen, das Schwert nur gegen die Ungläubigen zu ziehen.

 

Der heilige König stiftete auch verschiedene Bistümer; und nebst mehreren Kathedralkirchen, die er bauen, oder prachtvoll herstellen ließ, spendete er noch Geld zum Bau vieler Kirchen, Klöster und Spitäler. Dieser häufigen Ausgaben ungeachtet, belastete er doch seine Untertanen nicht mit besonderen Abgaben. In den Kriegen, die er mit den Mauren führte, schlug ihm einer jener Politiker, die das Elend des Volkes für nichts ansehen, ein Mittel vor, außergewöhnliche Unterstützungsgelder zu heben. „Gott behüte“, entgegnete der Fürst mit Unwillen, „dass ich jemals deinen Vorschlag annehme! Die göttliche Vorsehung wird mir auf allen Wegen beizustehen wissen! Ich fürchte mehr die Verwünschung eines armen Volkes, als eine ganze Armee von Mauren!“

 

Nach der Eroberung des ganzen Königreichs Baeza, das er Aben Mahomet, einem Fürsten aus dem Stamm der Miramolinen Afrikas, entrissen hatte, errichtete Ferdinand einen Bischofssitz in der Hauptstadt. Dass er bei diesem Krieg aus reinster Absicht gehandelt hatte, lässt sich nicht bezweifeln. „Herr“, sagte er, „der du die Herzen durchforschst, du weißt, dass ich deine und nicht meine Ehre suche! Ich will nicht mir vergängliche Ehre erwerben, sondern die Kenntnis deines Namens ausbreiten!“

 

Ferdinand suchte seinen Soldaten die Gesinnungen einer zärtlichen Frömmigkeit einzuflößen und gab selbst ihnen das Beispiel aller Tugenden. Die kirchliche Fasten hielt er genau und trug ein Buß-Kleid, in der Gestalt eines Kreuzes. Oft brachte er die Nacht im Gebet zu und empfahl sich dem Schutz Marias; und nur Gott und den Fürbitten der Gebenedeiten des Herrn verdankte er sein ganzes Waffenglück. Seinem Heer ließ er allezeit ein Bild der allerseligsten Jungfrau voraustragen, um durch dessen Anblick das festeste Vertrauen auf die heilige Gottesgebärerin in den Herzen seiner Soldaten zu erwecken. Neben diesem Bildnis, das er der Verehrung der Gläubigen öffentlich aussetzen ließ, trug er noch ein kleines Marienbild auf seiner Brust, und hing es, wenn es in die Schlacht ging, an den Sattelbogen.

 

Die den Ungläubigen abgenommenen Länder verwandte er zur Erbauung der prachtvollen Kathedralkirche zu Toledo, zu der er 1227 den ersten Stein legte.*) Mehrere Städte, die er von den Mauren eroberte, schenkte er den Rittern von Calatrava, anderen Ritterorden und dem Erzbistum von Toledo, allein unter der Bedingung, dass sie diese gegen die Muhamedaner verteidigen mussten.

 

Während später Jakob von Aragonien den Mauren das Königreich Majorca entriss, vollendete Ferdinand die Eroberung der Reiche Baeza und Cordova. Diese letztere Stadt war seit fünfhundert Jahren in den Händen der Ungläubigen, und lange Zeit der Hauptsitz ihrer Herrschaft in Spanien. Ferdinand hielt seinen Einzug in dieselbe Stadt im Jahr 1236, am Tag der Apostel Petrus und Paulus. Die große Moschee wurde durch Johannes, Bischof von Osma, gereinigt, und in eine Kirche – unter Anrufung der allerseligsten Jungfrau Maria – umgewandelt. Der heilige König errichtete auch wieder den ehemaligen Bischofssitz. Die Glocken von Compostella, die Abderrhaman auf den Schultern der Christen hatte dahin tragen lassen, wurden auf Befehl Ferdinands auf den Schultern der Mauren wieder zurückgebracht.

 

Nach einer Belagerung von 16 Monaten ergab sich im Jahr 1249 am 23. November die Stadt Sevilla selbst. Die Mauren erhielten einen Monat Frist, um über ihre Güter zu verfügen. Dreimal hunderttausend zogen sich nach Xeres zurück, und hunderttausend schifften nach Afrika. Als Arataf, Statthalter der Ungläubigen, zu Sevilla auf eine Anhöhe gekommen war, von wo aus man auf der einen Seite das Meer und auf der anderen Seite die Stadt sieht, wandte er seine Augen zur Stadt hin und sagte weinend: „Nur ein Heiliger konnte mit so wenig Mannschaft eine so feste und glorreiche Stadt erobern! Es kann nur durch Zutun des Himmels geschehen sein, dass sie den Mauren entrissen worden ist!“

 

Der heilige König verordnete feierliche Dankgebete zum Lob Gottes und Marias, und flehte aufs Neue um den Schutz der allerseligsten Jungfrau vor ihrem berühmten Bild, das man bis zur Stunde noch zu Sevilla sieht. Er ließ die Kathedralkirche zu Sevilla mit einer solchen Pracht wieder aufbauen, dass sie, mit Ausnahme jener zu Toledo, keinem Gotteshaus in der Christenheit nachsteht. Sehr reich ist darin die der heiligen Gottesgebärerin, die mit ihrem mächtigen Beistand den Christen zu so vielen Siegen über die Ungläubigen verhalf, geweihte Kapelle. Sie befindet sich an der Südseite der Kathedrale und wird "Maria la antigua“ genannt. Hier wird ein uraltes, wundertätiges Madonnenbild verehrt, auf Goldgrund gemalt. Der Altar besitzt ein silbernes Antipendium und ein Cancell aus gediegenem Silber, und in der Kapelle brennen heute noch vor dem Bild Marias, der Siegreichen, 48 silberne Lampen, deren Anzahl früher 72 gewesen war.

 

Endlich fiel der fromme Fürst, der Held Marias und ihr Sieger, indem er sich zu einem neuen Feldzug gegen die Mauren rüstete, in eine Krankheit, an der er auch starb. Als er fühlte, dass sein Lebensende herannahe, legte er eine Beicht von seinem ganzen Leben ab, und begehrte die heilige Wegzehrung, die ihm auch vom Bischof von Segovia, unter Begleitung der Geistlichkeit und des ganzen Hofes, gebracht wurde. Als er das allerheiligste Sakrament erblickte, verließ er das Bett und kniete sich vor ihm nieder. Er hatte einen Strick um den Hals, und hielt ein Kruzifix in seinen Händen, das er küsste und mit Tränen benetzte. In dieser Stellung klagte er sich laut über seine Sünden an, die jedoch wohl nichts anderes, als jene kleinen Fehler gewesen waren, von denen selbst die Gerechten nicht frei sind. Danach erweckte er eine Übung des Glaubens und empfing mit den Gefühlen der zärtlichsten Andacht die heilige Wegzehrung. Ehe er starb, ließ er noch seine Kinder vor sich rufen, um ihnen seinen Segen zu geben und sie zum kindlichsten Vertrauen auf die Fürbitten Marias zu ermutigen. Während er in den letzten Zügen lag, ließ er die Litaneien und das Te Deum, als Danksagung für die durch Maria errungenen zahlreichen Siege über die Ungläubigen von der Geistlichkeit beten. Kaum waren diese Andachtsübungen vollendet, als er im Frieden Jesu und Marias, denen er ja stets seine Seele empfohlen hatte, am 30. Mai 1253 sanft entschlief. Er befand sich im dreiundfünfzigsten Jahr seines Lebens und dem fünfunddreißigsten seiner Regierung.

 

Man beerdigte den berühmten Kämpfer für die katholische Kirche in der Kathedrale zu Sevilla, und zwar vor dem Bildnis der allerseligsten Jungfrau Maria, dem er treu im Leben gewesen war und dem er auch im Tod treu sein wollte. Noch wird dort sein Leichnam in einem prachtvollen silbernen Sarg aufbewahrt.

 

Gott hat Ferdinand III. durch mehrere Wunder verherrlicht. Papst Clemens X. nahm ihn im Jahr 1671 unter die Zahl der Heiligen auf.

 

*) Dr. Franz Lorinser schreibt in seinen "Reiseskizzen aus Spanien" folgendes:

 

"Die Kathedrale von Toledo besitzt nicht nur dem Recht nach den Primat von Spanien. Sie behauptet ihn auch in materieller Hinsicht durch ihre Größe und Schönheit. Es ist die prächtigste gothische Kirche, die ich je gesehen habe; und obwohl ihr Äußeres dem des Kölner Domes nachsteht und ihr Gewölbe minder hoch ist, dürfte sie ihm doch an Umfang gleichkommen, wo nicht ihn übertreffen, und gegen den Reichtum ihres Schmuckes muss er weit zurückstehen. Die fünf mächtigen Schiffe, von denen das mittlere eine Höhe von 170 Fuß hat, und deren Gewölbe von herrlichen Säulenbündeln getragen wird, machen einen herrlichen Eindruck.

 

Neben der prachtvollen Sakristei liegt die große und berühmte Muttergottes-Kapelle de la Virgen del Sagrario. Hier befindet sich die uralte, hölzerne, mit Silber bedeckte Statue der Muttergottes mit dem Jesuskind, das "christliche Palladium Toledos", deren Ursprung bis auf den Bischof Eugenius zurückgeführt wird, die bei der Einnahme der Stadt durch die Mauren an dem Ort, wo diese Kapelle jetzt steht, von Godmann, dem damaligen Alcalden der Stadt, in einem Brunnen verborgen, und bei der Wiedereroberung durch König Alphons in wunderbarer Weise wieder aufgefunden wurde, und die dem Dichter Calderon den Stoff zu einem seiner schönsten Dramen: "La Virgen del Sagrario", gegeben hatte. Die gegenwärtige Kapelle ist unter Philipp II. erbaut worden und zeichnet sich aus durch Reichtum und Pracht. Die Jungfrau Maria sitzt auf einem prächtigen, mit Silber und Edelsteinen geschmückten Thron, und war gerade mit ihrem Festschmuck (einer Krone von Diamanten und einem reichgestickten Mantel), den die Revolution nicht anzutasten gewagt hat, bedeckt (es war in der Oktave von Mariä Himmelfahrt); und so oft ich die Kathedrale betreten habe, war die Kapelle voll von andächtigen Betern, und wurde am Altar der Gebenedeiten des Herrn ein Hochamt nach dem anderen gesungen."

 

(Aus: Leben der Heiligen von Alban Butler)