Die Stiftung eines Dankfestes

 

Der Chagan der Avaren belagerte unter Kaiser Heraclius die Stadt Konstantinopel.

Die Einwohner, voll der Bestürzung und Furcht vor der Rache und dem Blutdurst des wilden Feindes, empfahlen sich im frommen Gebet der mächtigen Fürbitte der heiligen Jungfrau Maria bei ihrem allmächtigen Sohn. Achtmal unternahm der Feind einen Hauptsturm auf die Stadt, und ebenso oft wurde er mit großem Verlust zurückgeschlagen und schließlich genötigt, unverrichteter Sache abzuziehen. Lauter Jubel ertönte jetzt in den Straßen der großen Stadt; doch die dankbaren Griechen schrieben den Sieg nicht sich zu, sondern ganz allein dem Schutz ihrer hochgebenedeiten Schutzpatronin Maria. Der Patriarch rief alles Volk nach der Kathedrale, und Alt und Jung, Vornehm und Niedrig strömte dahin, um der Mutter des Erlösers für die wunderbare Erhaltung der Stadt zu danken.

Zum ewigen Gedächtnis der durch der heiligen Jungfrau alles vermögenden Fürbitte von Gott erhaltenen Gnade und Erbarmung, wurde ein jährliches Dankfest auf den fünften Samstag in der Fasten angeordnet. Und schon am Abend vor dem Fest begab sich das Volk in die Kirche und durchwachte den größten Teil der Nacht unter Dankgebeten und Hymnen-Gesang zum Preis und zur Ehre der heiligen Muttergottes.

 

(Aus: Geschichte der Religion Jesu von F. L. Grafen von Stolberg)