Bewährte Treue im katholischen Glauben

 

Die Szekler von Csik-Somlyo in Siebenbürgen sind unter allen Verhältnissen und Stürmen dem alten katholischen Glauben treu geblieben.

 

Der König Johann Sigismund Zapolya der Jüngere, als er von diesem wahren Glauben durch den ketzerischen Unterricht des Georg Blandrata sich ablöste, ist dahin verleitet worden, dass vor ihm niemand Ehre fand, der sich nicht als ein Verleugner der allerheiligsten Dreifaltigkeit auswies. Er gab sogar gegen Ende des Monats November 1566 eine Verordnung: „dass alle Bewohner Siebenbürgens von Georg Blandrata abhängen und den von ihm erwählten Lehren anhängen müssten, jene aber, die diese verletzen würden, gleich Ungläubigen bestraft werden sollten.“

 

Nach dieser Verordnung wollten sich die Szekler von Csik-Somlyo nicht richten. Der König versuchte zuerst mit Versprechungen, dann mit Drohungen den Gehorsam zu erzwingen; aber alles war vergebens. Darüber erbost, schickte er im folgenden Jahr eine zahlreiche Abteilung seiner Bewaffneten mit dem Befehl aus: „die widersetzlichen Szekler von ihrem alten Glauben mit Gewalt abzuwenden.“

 

Damals aber lebte ein eifriger und gottesfürchtiger Seelsorger zu Absalu, namens Stephan. Dieser munterte das ohnehin beherzte Volk noch mehr zum treuen Beharren auf, und die guten Stände zeigten sich eines Sinnes mit ihm entschlossen: Hab und Gut, ja das Leben selbst für die Verteidigung des altehrwürdigen und doch ewig neuen katholischen Glaubens aufzuopfern, und lieber den Tod zu leiden als von dem Bekenntnis der wahren Kirche Jesu Christi abzulassen. Sie besprachen sich darüber und beschlossen: dass in dieser allergrößten Gefahr das ganze Volk aufstehen, Jung und Alt ihre Häuser und Besitzungen verlassen und im Kloster der Franziskaner sich – vor der Statue der heiligen Muttergottes versammeln möge; hier wollen sie mit vereinten Herzen zu Gott beten, dass er sie, ob der Verdienste der Mutter Jesu, in dieser allerschwersten Not nicht verlasse.

 

Dies geschah denn auch.

 

Indessen erscholl der Ruf, die königlichen Truppen seien von der Seite des Udvarhelyer her im Anrücken begriffen. Nun sonderten sich diejenigen ab, die waffenfähig waren, und stellten sich auf dem dortigen ausgebreiteten Feld in Ordnung auf; den Frauen jedoch, den Greisen und Kindern befahlen sie: solange sich nicht von der Marien-Statue in der Franziskanerkirche zu entfernen, solange sie abwesend wären. Inzwischen sollten sie dort Maria um ihre hilfreiche Fürbitte bei Gott anrufen, und zwar ohne Unterlass, damit ihnen der Herr des Himmels und der Erde seinen väterlichen Beistand nicht versage. Hierauf begannen die Frauen und Mädchen, die Greise und Kinder aus allen Kräften aufs Neue zu beten. Die bewaffnete Schar der Männer aber rückte gleichfalls betend der Streitmacht des Königs entgegen. Zwischen Csik und Udvarhely liegt ein großer Wald, dort kam es zum Treffen. Gott und Maria verließen die gerechte Sache nicht. Die Csiker behaupteten unter dem Kampfesruf: „Maria siegt!“ die Oberhand. Der rechte Flügel des königlichen Heeres wurde geschlagen, die übrigen retteten sich durch die schleunigste Flucht.

 

Hierauf kehrten die Csiker zurück, und als sie sich dem Kloster näherten, eilte ihnen die daheimgebliebene Menge entgegen, und eine unbeschreibliche Freude bemächtigte sich aller. Sie strömten zur Kirche und dankten vor dem Bildnis der allerseligsten Jungfrau Gott dem Herrn, dass er sie durch den Segen der Fürsprache Marias von den Verfolgern ihres Glaubens befreit habe.

 

Dies geschah im Jahr 1567 am Sonnabend vor Pfingsten. Daher kommen noch alljährlich zu Pfingsten Tausende von Wallfahrern nach Csik-Somlyo, selbst fernher aus Ungarn und der Moldau.

 

(Aus: Österreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatenkunde)