Die Wallfahrt eines greisen Feldmarschalls

 

Es war im Frühling des Jahres 1671, in jenem Monat, in dem die Blumen zu blühen anfangen, als ein Greis, betend, vor dem Bild der „geistlichen Rose“ kniete, vor der gebenedeiten Mutter des Herrn im heiligen Haus zu Loretto. Als feuriger Jüngling hatte er ehedessen zum Waffenwerk gegriffen, eben als der dreißigjährige Krieg seinen furchtbaren Reigen begonnen hatte und von der ersten Schlacht bis zur letzten hatte er mutig gekämpft und mit den Besten seiner Zeit um den Ehrenkranz gerungen. Als des Kaisers treuer Diener stritt er danach an der Ost- und Nordsee, wenige Jahre später verrichtete er seine glänzende Waffentat bei Sankt Gotthard gegen die Türken, und schließlich blieb es ihm beschieden, die aufrührerischen Ungarn zum Gehorsam gegen seinen Herrn und Kaiser zurückzubringen. Fünfzig volle Jahre im taten- und ruhmreichen Kriegsdienst waren dahin gegangen und sie hatten ihm den kindlichen Glauben und die demütige Frömmigkeit seiner Jugend nicht verkümmert. Ja, gerade diese, sein ganzes Wesen durchgeistigende, aufrichtige Gottesfurcht war es auch, die sich an der Neige seiner Lebensbahn am schönsten betätigte.

 

Der greise k.k.Feldmarschall, der berühmte Reiter-General Graf Johann Spork nämlich, beschloss diese so selten einem Menschen beschiedene Feier durch eine Wallfahrt zu begehen. Er stieg über die Alpen und gelangte über Venedig nach Loretto. An dieser vielbegnadeten Stätte brachte er der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria seine Verehrung dar und dankte ihr für den Schutz, der ihn so mancher Gefahr im Feld und im Zelt entrissen hatte.

 

(Aus: Leben des Reiter-Generals Grafen Johann Spork)