Das Gelöbnis einer ewigen Lampe

 

Im Jahr 1675 hat das Fernandeische Konvikt und das Collegium der Gesellschaft Jesu zu Ölmütz in Mähren eine große Gefahr ausgestanden und großes Glück gehabt, dass es nicht gar zu Grunde gegangen ist.

 

Es hatte ein heftiger Donnerstrahl den Stadtturm, der dicht am Collegium steht, bei entstandenem Ungewitter mit einem erschrecklichen Streich getroffen und zugleich angezündet, dass er bald in ein offenes Feuer ausbrach. Da nun die Flamme mitten unter dem Gehölz sich erhob, dabei die Stiegen verzehrt hat, war keine Hoffnung des Löschens, besonders weil das Stadttor zugleich mit herabgefallenen Brandstücken und Gestein angefüllt wurde. Der scharfe Wind wehte vom Turm auf das Konvikt und Collegium hin, so dass die brennenden Kohlen und Flammen gleich einem feurigen Platzregen auf beide Dächer und Rinnen geschleudert wurden. Man tat wohl bei der Sache, was möglich war, da aber die Gefahr sich immer weiter steigerte, verlobte sich der P. Rektor des Collegiums zur heiligen Muttergottes nach Turas, mit dem Versprechen: „eine immerwährende Ampel ihr zu Ehren brennen zu lassen, falls sie dem Haus dieses Mal beistehen und das Übel schützend abwenden würde.“ – Inzwischen begann der in der Mitte abgebrannte Turm zu wanken und mit seinem Sturz schwer das Collegium zu bedrohen. Er stürzte auch alsbald aber nur auf den Vorplatz des Collegiums herab, und versetzte alle in Furcht und Schrecken. Allein abgesehen, dass das Feuer groß und der Fall als sehr gefährlich sich erwies, ist doch durch den inbrünstig angerufenen Schutz der heiligen Muttergottes kein besonderer Schaden erfolgt.

 

Zu diesem Gedenken ist das ganze Ereignis samt dem Bild der heiligen Maria von Turas abgemalt, und eine immer brennende Ampel dabei bestellt worden, die noch heutigen Tages im Collegium auf offenem Gang zu sehen ist.

 

(Aus: Geistlich curieuse Nachrichten von P. Johann Kraus)