"Maria liebt dich doch!"

 

Die heilige Brigitta sagt: „Wie der Magnet das Eisen an sich zieht, so zieht die allerseligste Jungfrau Maria die Herzen zu Gott!“

Das wusste der große Diener Marias, Sankt Franziskus Regis, sehr wohl, als er an das Sterbebett eines ergrauten Sünders gerufen wurde, der nichts von einer Vorbereitung auf den Tod wissen wollte. Alle Ermahnungen waren fruchtlos, alle Drohungen vergebens, alles Zureden umsonst. Immer näher rückte der Tod, keine menschliche Hilfe konnte ihn mehr retten. Er fühlte es, dass sein Lebensende gekommen sei. Desungeachtet wies er jeden geistlichen Trost zurück.

Da kam der Heilige an sein Sterbebett, zog ein Bild der Muttergottes aus seinem Brevier und zeigte es ihm mit den Worten: „Maria liebt dich doch!“

„Wie“, rief der Sünder, wie aus einem Traum erwachend und unverwandt das Bild anschauend, „dann kennt sie mich nicht!“

„Sie liebt dich doch!“ erwiderte ruhig der Priester.

„Dann weiß sie nicht, dass ich meinen Glauben verleugnet und meine Religion verachtet habe!“

„Sie weiß es!“ sagte der Diener Gottes.

„Dass ich ihren Sohn verhöhnte und sein Blut mit Füßen getreten habe!“

„Sie weiß es!“

„Dass unschuldiges Blut diese Hände gerötet haben!“

„Sie weiß es!“

„Sprichst du die Wahrheit, Priester?“

„Ja, eher werden Himmel und Erde vergehen, als eines der Worte Gottes! Und siehe! Dieser Gott hat einst gesagt und sagt es heute noch zu dir: Sohn, sieh hier deine Mutter!“

„Eine Mutter, die mich liebt?“ flüsterte der Sünder, „Meine Mutter, meine!“ . . . und die hellen Tränen traten aus seinen Augen. Es waren Tränen der bittersten Reue. Und er bekannte mit dem aufrichtigsten Seelenschmerz alle Sünden seines Lebens im heiligen Bußgericht, um bald darauf den Gott der ewigen Liebe selbst zu empfangen, der einige Tage später seine Seele wegnahm von der rde, nachdem sie Zeuge gewesen ist von der wunderbaren Anziehungskraft Marias.

(Aus: Leben des heiligen Franziskus Regis)