Hehre Marien-Zeichen

 

In seiner Schilderung: „Katholisches Leben in einer französischen Provinzialstadt“ schreibt Max von Gagern:

Von dem innigen und Segensreichen Verhältnis zwischen einem ganzen Kirchenspiel und seinem treuen Seelsorger und dem kindlichen Vertrauen der Gläubigen auf die Fürbitte Marias, der „Zuflucht der Sünder“, kann man sich in der alten Bischofsstadt Metz ein schönes Bild verschaffen, wenn man an einem Sonntagabend die Liebfrauenkirche besucht, wo die Andacht der Erzbruderschaft des unbefleckten Herzens Mariä gehalten wird.

Der Herr Pfarrer von Notre Dame begibt sich schon mehrere Stunden vorher in die große Sakristei und empfängt da die Anmeldungen und Bitten um das Gebet für die Kranken und für die Bekehrung von bestimmten, doch nicht mit Namen zu bezeichnenden Sündern und Ungläubigen. Es ist rührend, diese Bitten so kindlich und mit lebendiger Hoffnung vortragen zu hören: „Herr Pfarrer, mein kleiner Bruder fängt an ein schlechtes Leben zu führen. Die Mutter lässt sie sehr schön bitten, heute Abend für ihn zu beten, es wird ihm gewiss noch helfen!“

Ebenso kommen Danksagungen für erbetene und wirklich eingetretene Gnaden, und die lange Liste wird dann abends in der geräumigen und Kopf an Kopf angefüllten Kirche zwischen der Predigt und dem Segen von der Kanzel herab bei lautloser Stille verlesen und den Gläubigen ans Herz gelegt.

(Erzählt von Max von Gagern)