Die letzte Zuflucht

 

Ein Sterbender war bei der Erinnerung an seine im Leben begangenen schweren Verbrechen in Verzweiflung geraten und wollte durchaus nicht Buße tun und beichten.

Der heilige Vincenzius Ferrerius begab sich eilends zu dem so unglücklichen Mann und redete ihn mit folgenden Worten an: „Mein lieber Bruder, ihr wisset, dass der göttliche Heiland auch für euch gestorben ist und ihr verzweifelt an seiner Barmherzigkeit!? Ach, welch eine Missachtung seiner Güte, die er euch erwiesen hat!“

Der verstockte Sünder brach aber in die schauderhaften Worte aus: „Jesus Christus zum Trotz will ich mich in die Hölle stürzen!“

„Und ich will dich retten dem Heiland zuliebe!“ versetzte in christlicher Barmherzigkeit der Heilige.

Darauf wandte er sich, Tränen in den Augen, an die Umstehenden und lud bitterlich sie ein, den Rosenkranz zu beten, um durch die gnadenreiche Vermittlung der heiligen Muttergottes alsbald die Bekehrung dieses ganz verhärteten Sünders zu erlangen.

Es geschah denn auch, und nicht vergebens. Maria zeigte, was sie bei Gott vermag. Der Verhärtete wurde erweicht und für die Gnade des Erlösers gefunden. Er bekehrte sich vollkommen.

Und Sanct Vincenzius Ferrerius weinte wieder, aber nur Tränen der Freude und des Dankes gegen Gott und Maria.

(Aus: Leben des heiligen Vincenzius Ferrerius)