St. Franziskus von Sales und seine Trostlosigkeit

 

Der heilige Bonaventura lehrt: „Schon damals, als Maria, die Mutter des Herrn, noch in diesem Jammertal lebte, war sie unsagbar liebreich und barmherzig zu den Bedrängten. Um wie viel mehr wird sie es jetzt sein, da sie glückselig im Himmel herrscht? Jetzt erschaut sie ja die Mühseligkeiten der Menschen umso klarer, und desto mehr gibt sie ihre große Barmherzigkeit durch ihren Beistand zu erkennen. Sie ist ja unsere Mutter; und kann wohl eine Mutter ihre Kinder vergessen?“

 

Diese Tröstung Marias empfing auch der heilige Franziskus von Sales, dieser große und berühmte Geistesmann und Seelenführer.

 

Durch Zulassung Gottes kam nämlich über diesen eifrigen Verehrer Marias eine harte Prüfung; denn es überfiel ihn tiefe Schwermut und große Trostlosigkeit, indem er meine: „er könne nicht selig werden“; und dieser schwarze Gedanke, der ihn nie verließ, sondern Tag und Nacht quälte, trieb ihn fast zur Verzweiflung. Sogar seine leibliche Gesundheit welkte dahin, und man hielt ihn allgemein als ein baldiges Opfer der Abzehrung. Was das Übel noch tiefer Wurzel fassen ließ, war der Umstand, dass der ganz verzagte und mutlos gewordene Jüngling auch niemand den Grund seines Seelenleidens anzuvertrauen wagte. Endlich kam ihm der Gedanke, in jene Kirche sich zu begeben, wo er das Gelübde der ewigen Keuschheit abgelegt hatte. Das erste, was hier seinem Auge begegnete, war ein Bild der allerseligsten Jungfrau Maria. Der Anblick dieses Bildes weckte in ihm wieder sein ehemaliges Vertrauen zu der „Trösterin der Betrübten“.

 

Er warf sich nun auf seine Knie nieder und flehte recht inständig zur heiligen Muttergottes: „sie wolle ihm die Gnade erbitten, dass er doch hienieden Gott über alles lieben möchte, da er dies nach seinem Tod nicht mehr tun könne, indem er in die Gesellschaft der Verdammten zu kommen fürchte“.

 

Auf dieses aufrichtigst gemeinte Flehen hin, war es ihm, als werde ein schwerer Stein von seinem Herzen abgewälzt; er fühlte sich wunderbar erleichtert und getröstet, sein vorheriges Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes kehrte wieder zurück, und Gemüt und Körper wurden wieder gesund.

 

Maria, die „Trösterin der Betrübten“, hat auch ihn getröstet!

 

(Aus: Leben des heiligen Franziskus von Sales)