Maria, die rechtzeitig Weckende

 

Die heilige Rosa von Lima, die so treue Dienerin Marias, litt seit längerer Zeit an Schlaflosigkeit, und es war die völlige Zerrüttung ihrer Gesundheit zu befürchten, wenn nicht heilende Mittel dagegen angewendet würden. Es bedurfte aber dazu des Befehls ihres Beichtvaters, der, nach der Anleitung eines vielbewährten Arztes, ihr auftrug: an jedem Abend ein Gericht von schlafbringenden Kräutern zu genießen, und der zugleich auch die Zeit ihr bestimmte, wann sie sich am Abend zur Ruhe begeben sollte, und wann sie am Morgen aufstehen müsse.

 

Rosa kam dieser Vorschrift wohl pünktlich nach, aber ob der so lang geübten Gewohnheit, im Gebet halbe Nächte zu durchwachen, zögerte immer der Schlaf zur bestimmten Zeit sie zu umweben. Und stets erst gen Morgen begannen die Kräuter ihr Schlafbringen zu bewirken.

 

Da fühlte nun die fromme Jungfrau große Angst und Betrübnis, wenn sie nicht zur gehörigen Zeit erwachte, um ihr Berufswerk zur näher bezeichneten Zeit beginnen zu können. Sie klagte deshalb ihre Not der allerseligsten Jungfrau Maria, und bat eindringlichst: sie möchte doch, als der „wahre Morgenstern“, ihr zur Hilfe kommen. Und wie lieblich zeigte sich ungesäumt die Hilfe der huldreichen Mutter! Denn von diesem Augenblick an weckte Maria ihre geistliche Tochter, wenn die Stunde zum Aufstehen nahe und Rosa noch nicht erwacht war, mit lieber und freundlicher Stimme, und die Erwachte genoss dann auch noch das trostvolle Anschauen ihrer so gütigen Beschützerin, wie sie es selbst mit Freuden und Dankbarkeit bekannte.

 

(Aus: Leben der heiligen Rosa von Lima)