Die Dämpfung eines Kirchen-Brandes

 

Die heilige Godeberta kam zur Welt im Bistum Amiens in Frankreich. Ihre gottesfürchtigen Eltern flößten ihr schon frühzeitig die innigste Liebe zu Jesus und Maria in das Herz. Die Folge davon war, dass Godeberta ihre Jungfrauschaft dem Herrn und seiner gebenedeiten Mutter angelobte und den Klosterschleier aus den Händen des heiligen Eligius nahm. Sie stiftete hierauf ein Kloster zu Noyon, dessen Oberin sie wurde. Durch ihr vielfältiges Fasten, nächtliches Wachen und andere Leibeskasteiungen zog sie sich eine Krankheit zu, die sie beständig an das Bett fesselte. In ihrem schweren Leiden blieb Jesus und Maria ihr einziger Trost.

 

Nun geschah es, dass die größte Kirche zu Noyon, die der allerseligsten Jungfrau Maria geweiht war, plötzlich von einer Feuersbrunst ergriffen wurde. Da man der sich ausbreitenden Flammen nicht Herr werden konnte, nahm man in dieser höchsten Not die Zuflucht zum Gebet und rief und bat aus dem tiefsten Herzen: „Jesus und Maria mögen helfen!“

 

Auch der heiligen Godeberta brachte man Nachricht von diesem schrecklichen Unglück. Obgleich sie mit großen Schmerzen kämpfte, so ließ sie sich doch auf dem Bett zu der brennenden Kirche hintragen. Während nun alle jammernd und weinend an der Rettung der Kirche zweifeln, fleht Godeberta innig zu Unserer Lieben Frau um Hilfe, macht dann das Zeichen des heiligen Kreuzes gegen das Feuer, und sogleich erlöschen die Flammen.

 

Und so wurde Godeberta durch die Fürsprache Marias bei Gott die Erhalterin dieses herrlichen Muttergottes-Tempels.

 

(Aus: Legende der Heiligen von Georg Ott)