Der Armenfond für die Armen Seelen

 

Es ist in den katholischen Ländern der Armenfond, das sogenannte „Armen-Institut“, stets von der Kirche verwaltet worden. Mag man dieses Gesetz auch wie immer in kirchenfeindlicher Weise ändern, einen wichtigeren Armenfond wird man der Kirche stets zur Verwaltung überlassen: Das ist der Armenfond für die armen Seelen im Fegfeuer! Nicht Geld, nicht irdisches Gut befindet sich in ihm, dieser Armenfond besteht vielmehr aus geistlichen Gütern und Verdiensten. Er enthält alle unsere Gebete, unsere Opfer, unsere Ablässe, die wir in der Liebe Jesu Christi den armen Seelen zuwenden, alle Tugenden, alle guten Werke und Verdienste der Gläubigen. Er enthält vor allem die unendlichen Verdienste Jesu Christi, seines kostbaren Blutes, seines Kreuztodes, seiner heiligen fünf Wunden, sowie die Verdienste aller Heiligen. Alle diese geistlichen Güter bilden ein kostbares Kapital, einen kostbaren geistigen Armenfond. Diesen übergeben wir voll Vertrauen und Zuversicht in die Hände der allerseligsten Jungfrau Maria, der glorreichen Himmelskönigin. Was wir hienieden nur fürbittweise (per modum suffragii) für die armen Seelen zu leisten im Stande sind, das legen wir in die Gnadenhände Marias, und wenden es – durch sie – den armen Seelen zu. Maria ist ja die Mutter aller Gläubigen, sie ist sonach auch die Mutter und Fürsprecherin aller armen Seelen. Maria kommt, liebevoll sie zu trösten und zu stärken. Maria bittet am Thron der göttlichen Gnade für die leidenden Seelen. Maria kündigt mit liebendem Mutterherzen ihnen das Ende ihrer Leidenszeit an und führt sie im Namen ihres geliebten Sohnes in die Wohnungen des ewigen Friedens ein. Der hl. Bernardin von Siena sagt: „Durch ihr Gebet und durch die Mitteilung ihrer Verdienste befreit Maria die armen Seelen aus dem Fegefeuer, besonders aber diejenigen, die sie am meisten verehrt haben.“

 

Was für ein Heil und ein Trost ist es für den katholischen Christen, um einen solchen Armenfond für die armen Seelen in der Kirche Jesu Christi zu wissen! Ebenso schön ist es gleichfalls zu wissen, dass von den heilbringenden Händen Marias das Kapital dieses Armenfonds so segensreich verwaltet wird!

 

(Aus: Das betrachtete heilige Magnificat von Benedikt Höllrigl)