Die schmerzhafte Muttergottes zu Sümeg

 

Im Jahr 1699 ist die Gemahlin des edlen Herrn Ferdinand von Feilheim, Maria Sophia, zu Wien von einer Hüften-Fäulnis in solcher Weise ergriffen worden, dass sie darüber lahm, und, von den Ärzten verlassen, für unheilbar erklärt wurde.

Da nahm die fromme Dulderin – nächst Gott – ihre Zuflucht zu der allerseligsten Jungfrau Maria, die ja von der ganzen katholischen Christenheit als das „Heil der Kranken“ verehrt wird.

Und siehe! Nun geschah es, dass sie im Traum eine gar schöne Statue der Muttergottes sah, die ihren vom Kreuz herabgenommenen Sohn auf ihrem Schoß beweint. Sie glaubte zugleich eine Stimme zu hören, die ihr befahl, diese Statue aufzusuchen. Maria Sophia durchspähte auch alsbald die ganze Umgegend, fand aber das im Traum geschaute Bildnis nicht. Als sie indes in ihrer Andacht verharrte, erschien ihr dieselbe Statue nochmals, jedoch mit dem Bedeuten, sie solle zu Sümeg in Ungarn das Bild suchen.

Maria Sophia ließ sich alsbald nach Sümeg führen und erkannte, beim ersten Anblick der dort aufgestellten Statue der schmerzhaften Muttergottes, die, die ihr schon zwei Mal im Traum erschienen war. Sie erzählte nun vor vielen Anwesenden, was ihr von oben in so wunderbarer Weise angedeutet worden war, und bat die ehrwürdigen Franziskaner, in deren Kirche man die Statue aufbewahrte, sie doch an den Rand des Altars herabstellen zu wollen. Nachdem dies geschehen war, flehte die Kranke mit heißester Inbrunst zu Maria um Genesung, und siehe!, plötzlich hörte aller Schmerz auf, ihre Hüften heilten, und die so hinfällige Person, die man zum Altar führen musste, erhob sich im Beisein aller, fiel auf ihre Knie andächtig nieder, verherrlichte mit ihrem Lobpreisen Gott, und dankte dem Allmächtigen und der gnadenreichen Jungfrau Maria.

Das besagte Ereignis trug sich zu am 6. Februar 1699. Dieser Tag wird noch jetzt in Sümeg gefeiert, und die Gnadenstatue erhielt den Namen: „Heil der Kranken“.

 

(Aus: Sagen und Legenden aus Ungarns Vorzeit von Mednyanszky)