Die Marianische Medaille

 

Im Jahr 1857 kam ein protestantischer Künstler aus Norddeutschland nach Venedig, um für sein Brustleiden im südlichen wärmeren Klima Linderung zu suchen. Doch war seine Krankheit leider schon so weit fortgeschritten, dass er auch hier keine Heilung erwarten konnte. Ja, er hatte sich dort nur kurze Zeit aufgehalten, als sich sein Zustand schon so sehr verschlimmerte, dass er nur selten das Zimmer verlassen konnte, und daher auch die Lehrstunden, von deren Ertrag er lebte, aufgeben musste.

Da fügte es der liebe Gott, dass eine edle Fürstin von seiner traurigen Lage hörte und sich seiner erbarmte. Sie versah ihn nicht nur mit allem, dessen er bedurfte, sondern wurde auch seine größte geistliche Wohltäterin. Sie besuchte ihn oft mit ihrem fürstlichen Gemahl, tröstete ihn mit liebreichen Worten und empfahl ihm ganz besonders die Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria, als „Mutter der Leidenden, Trösterin der Betrübten und Heil der Kranken“.

In dieser Absicht schenkte sie ihm eine Medaille, worauf die unbefleckte Jungfrau Maria abgebildet war, und ermahnte ihn, dieses Bild recht oft zu betrachten, und dann zu der „Mutter der göttlichen Gnade“ zu flehen, auf dass sie bei ihrem göttlichen Sohn fürbitte: damit der Heilige Geist seinen Verstand erleuchte, sein Herz erweiche und der Segen Marias durch Jesus Christus ihm zum wahren Heil angedeihen möge.

Bald darauf erhielt die Fürstin einen Brief, in dem der Kranke ihr für alles erwiesene Gute dankte und Folgendes erzählte:

„Heute hatte ich einen wunderbaren Traum. Es dünkte mir, als bete ich in einer einsamen Waldkapelle und rufe die gebenedeite Gottesmutter an. Da erblickte ich plötzlich über dem Hochaltar im vergrößertem Maßstab die Medaille mit der Überschrift: „Im Land des Südens wird deine Seele Ruhe finden!“ Diese Worte werden nun an mir, wie ich denke, in Erfüllung gehen. Dies habe ich nächst Gott und der unbefleckten Jungfrau Maria nur Ihnen zu verdanken. Denn Sie sind es, die mich mit diesem Bildnis Marias beschenkte und mir auftrug, die heilige Gottesgebärerin zu verehren. Ein herrliches Samenkorn haben Sie gesät, und tief in meinem Herzen hat es sich eingewurzelt, um einst als lebenskräftiger Baum aufzusprossen. Jenes geweihte Marien-Zeichen werde ich als Kleinod lebenslang auf meiner Brust tragen, in gläubigem Vertrauen: dass, wenn hienieden eine fromme Fürstin segnend für ihn betet, auch die Fürstin des Himmels dort am Thron des Ewigen für mich bitten werde.“

Und sieh! Dieses kindliche Vertrauen, das der Kranke auf die allerseligste Jungfrau Maria setzte, blieb nicht unerfüllt. Denn mit Gottes Hilfe, erwirkt durch die Fürsprache der unbefleckten Jungfrau Maria, gelang es den vereinigten Bemühungen der gottesfürchtigen Fürstin und des eifrigen Seelsorgers, den sie herbeigerufen hatte, den Irrgläubigen in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen. Er legte sein Glaubensbekenntnis ab, empfing die heiligen Sakramente, und entschlief dann sanft im Herrn, indem er sich glücklich pries, im katholischen Glauben zu sterben, und über seine edle Wohltäterin Glück und Segen von Gott durch die glorreiche Himmelskönigin herabflehte.

(Aus dem Salzburger Kirchenblatt)