Die Frucht des Gebets um einen festen Glauben

 

Zu Lissabon in Portugal war ein adeliges Fräulein in ihrem vierzehnten Jahr schwer erkrankt. Alle ärztliche Hilfe fruchtete nichts, und man sah ihrem Tod so gewiss entgegen, dass man bereits an die Vorbereitungen zu ihrem Begräbnis dachte.

Die Amme dieses Mädchens, die die zärtlichste Liebe zu der Kranken schon von Kindheit an getragen hatte, war fast außer sich vor Betrübnis, eilte in die nächste Kirche und flehte da vor einem Muttergottesbild unter heißen Tränen um das Leben ihres Lieblings. Und siehe da! Maria zeigte sich als das „Heil der Kranken“ und die Todesgefahr ging an dem Fräulein, zum Staunen aller, glücklich vorüber. Doch blieb die vom Tod gerettete am halben Leib lahm und fühlte auch fortwährend am linken Arm ein heftiges Zucken. Alle dagegen angewandte Mittel erwiesen sich als vergeblich. Nun aber die Leidende von ihrer treuen Dienerin erfahren hatte, bei wen sie ihr die Befreiung vom Tod erfleht hatte, so ließ sie sich in eine, ihrem Landgut bei Lissabon nahe Klosterkirche tragen, die auch der heiligen Jungfrau Maria geweiht war, in der frommen und frohen Erwartung, die barmherzige Muttergottes werde ihr auch ferner helfen. Während sie daselbst betete, hörte sie hinter sich eine alte Frau mit vielem Seufzen laut zu Maria um das Leben ihres Sohnes flehen. „Ach“, fuhr nun das lahme Fräulein in seinem Gebet fort, „hätte ich doch auch den festen Glauben dieser Frau! Gewiss, o Reinste aller Reinen, würde ich dann deines Beistandes würdig sein! Darum, o gute Mutter, bitte für mich zuerst um die Gabe eines festen Glaubens und aller anderen Eigenschaften, die mein Gebet besitzen soll, damit mir geholfen werden könne!“

Kaum hatte die Dulderin so gebetet, da fühlte sie sich schon wie neu geboren. Voll Entzücken erhob sie sich nun und versuchte zu gehen. Wie sehr staunten aber alle, die sie hergetragen hatten! Laut riefen sie: „O Wunder! O Wunder!“

Es versammelte sich nach und nach eine große Menge Volkes. Die Geistlichen des Klosters prüften bald das Ereignis und erkannten, dass hier auf die Fürbitten der allerseligsten Jungfrau Maria ein Wunder der Krankenheilung geschehen war. Und ungesäumt wurde feierlich das Te Deum gesungen.

(Erzählt vom heiligen Ludwig von Granada)