Der türkische Pascha und sein Sklave

 

Der türkische Pascha Corkut geriet im Jahr 1551, während er zu Konstantinopel verweilte, in Folge eines schrecklichen Geschwürs in der Brust, in die äußerste Lebensgefahr. In dieser Not forderte ihn sein frommer Sklave, der einst Christ gewesen war, auf, die Jungfrau Maria von Loretto um ihren Beistand anzurufen, über deren wunderbare Hilfe zur Abwendung auch der schwersten Krankheiten er ihn belehrt hatte. Der Pascha gelobte, wenn Maria ihm helfe, so dass die Krankheit weiche, dem Sklaven aus Dankbarkeit gegenüber Maria die Freiheit zu geben. Kaum hatte er dieses Gelübde gemacht, so zerplatzte auch alsbald das Geschwür und der Kranke war gesund. Sofort schenkte er seinem Sklaven die Freiheit und schickte ihn mit einem Brief nebst allerlei Votiv-Gaben nach Loretto zu dem Bild der allerseligsten Jungfrau Maria.

Der Brief, der noch bis heute in Loretto aufbewahrt wird, lautete, vom Arabischen ins Deutsche übersetzt, also: „Was Gutes und Glückliches auch immer uns begegnen mag, dies tut der große und barmherzige Herr. Da nun mir selbst so etwas von Gott zuteil geworden ist, deshalb werde ich, Corkut Pascha, (um nicht undankbar zu sein und damit auch den Nachkommen ein Denkmal einer so großen Tatsache bleibe), den Hergang der Ordnung noch erläutern: Es war uns in der Brust ein großes Geschwür entstanden, und schon hatte ich alle Hoffnung auf Rettung aufgegeben; da trat mein Sklave zu mir und sagte ganz vertrauensvoll: Wenn du mir die Freiheit versprichst, dann will ich die Mutter meines Gottes bitten, dass sie dir die vorige Gesundheit verschaffe. Ungesäumt ließ ich einen Notar herbeirufen und versprach urkundlich dem Sklaven die Freiheit, wenn er sein Versprechen halten würde. Hierauf warf sich der Sklave auf die Knie nieder, machte mit der Hand einige Zeichen über sich, und bat mich, dass ich ihm nachsagen solle, was er mir vorsprach: Ich flehe die Hilfe der Jungfrau Maria zu Loretto an! Indem ich ihm folgte, wurde ich mit der Gnade Gottes nach drei Tagen gesund. Nachdem ich nun meinem Sklaven die Freiheit geschenkt hatte, gab ich ihm diese Handschrift nebst den verlobten Geschenken, die als Denkzeichen meiner Ehrerbietung und meines dankbaren Herzens der seligsten Jungfrau Maria, der Mutter des allmächtigen Gottes, geweiht sein sollen, da sie uns gerettet hat!“

 

(Aus: Jahrbücher der Kirche zu Loretto)