2 - Vom Tod

 

1. Wenn wir am Ende unserer irdischen Pilgerfahrt angekommen sind, dann müssen wir ein dunkles Tor durchschreiten. Nur Gottes Hand will dieses Tor öffnen, und wenn wir die Schwelle einmal überschritten haben, werden wir niemals wieder zurückkehren. Dieses dunkle Tor zwischen Zeit und Ewigkeit heißt Tod. Die meisten Menschen fürchten den Tod und denken nicht gerne an ihn; es nützt aber nichts, die ernsten Gedanken zurückzuweisen, denn dadurch können wir den Tod nicht fernhalten.

 

2. Sterben müssen wir alle. „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben“, sagt Paulus. Das ist das einzige, das gewiss ist vom Tod: wir werden sicher sterben. Alles andere ist ungewiss; die Stunde, der Ort, die Art und Weise des Todes sind uns verborgen. Alle diese Umstände sind auch im Grunde genommen gleichgültig; wichtig ist nur eine Frage: ob wir in der Gnade oder in der Todsünde sterben, ob wir sterben zum Leben oder sterben zum Tod. Man sagt wohl, der Tod habe vielerlei Gestalt; aber eigentlich hat er nur zwei Gestalten: er kommt entweder als Friedensengel, der die Seele aus dem Erdenleid in die ewige Ruhe und Freude führt, oder als Henker, der unerbittlich die erwirkte Strafe vollzieht. Nur dieser unselige Tod in der Ungnade ist ein wahrer Tod, der Eingang zum ewigen Verderben; der selige Tod ist vielmehr eine Geburt zum neuen Leben.

 

3. Ach, meine Seele, du gehst dem Tod entgegen und weißt nicht, wie nahe du ihm schon bist! Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben. Vielleicht ist der Baum längst gefällt, vielleicht sind die Bretter schon geschnitten, vielleicht ist der Hobel schon geschärft für deinen Sarg.

Ach, meine Seele, du wirst sterben und du wirst nur einmal sterben: deine ganze Ewigkeit hängt davon ab, wie du sterben wirst. Bist du bereit? Wenn du nicht bereit bist, wenn eine schwere Sünde auf dir liegt, wie magst du dann so ruhig und gleichmütig in den Tag hineinleben, da doch die offene Hölle vor deinen Füßen gähnt und dich jeden Augenblick verschlingen kann? Treibe kein leichtfertiges Spiel mit deiner ewigen Seligkeit; wenn du sie verlierst, hast du sie für immer verloren. Darfst du dir sagen, dass du in der Gnade Gottes lebst, so lass dir das nicht genug sein. Du musst ausharren bis ans Ende; nur wer getreu ist bis in den Tod, der wird gekrönt werden. Darum bete eifrig um die Gnade der Beharrlichkeit. Sodann bedenke, wenn du in den Tod gehst, verlassen dich alle deine Freunde, auch die besten und treuesten; mit dir gehen allein deine Werke. „Selig sind die Toten, die im Herrn gestorben sind, denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ Benutze die Zeit, um gute Werke zu üben und Schätze zu sammeln für die Ewigkeit.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä eine selige Sterbestunde zu erlangen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns eine selige Sterbestunde geben wolle.

 

Gebet

 

O Maria, Mutter der Barmherzigkeit, die du eines so wunderbar seligen Todes verschieden bist, stehe uns in unserer letzten Stunde hilfreich zur Seite. Wehre ab alle Anfechtungen des bösen Feindes, der uns verderben will. Erflehe uns Kraft und Trost, dass wir ausharren bis ans Ende und die Krone des Lebens erlangen. Amen.