20 - Vom Glauben

 

1. „Selig bist du, die du geglaubt hast!“ So preist Elisabeth im Heiligen Geist die allerseligste Jungfrau Maria. Maria ist ein leuchtendes Vorbild des Glaubens. Sie glaubte ohne Zögern dem Engel, der eine so wunderbare Botschaft brachte, und ihr Glaube wankte nicht bei allen Prüfungen, die über ihn verhängt wurden. Sie sah die Niedrigkeit und Armut des menschgewordenen Gottessohnes, sie sah ihn im Stall als hilfloses Kind, sie sah ihn auf der Flucht nach Ägypten, sie sah ihn aufwachsen in gewöhnlicher Handwerkerarbeit und glaubte unerschütterlich an seine ewige Gottheit. Als die Nacht des Leidens und Sterbens über ihn hereinbrach und die Jünger in ihrem Glauben wankend wurden, da hat Maria keinen Augenblick gezweifelt. O möchte doch unser armseliger Glaube etwas von der Kraft besitzen, die ihren Glauben beseelte!

 

2. Der Glaube ist die Grundlage der Religion, er ist das erste Band, das uns mit Gott verknüpft. Der Glaube ist die notwendige Bedingung, um zur Seligkeit zu gelangen, denn „ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen und selig zu werden“. Der Glaube ist das Fundament des christlichen Lebens, die Wurzel aller Tugend, denn „der Gerechte lebt aus dem Glauben“. Der Glaube ist das Licht, das vom Himmel kommt und unsere Finsternis tröstlich erleuchtet. Ein Licht, das auch die Nacht des Todes erhellt mit seinem Schein. Der Glaube ist eine Gnade Gottes, um die wir beten müssen. Er ist zugleich ein Prüfstein des guten Willens und des demütigen Gehorsams. Der Glaube ist uns geschenkt in der heiligen Taufe, er soll aber wachsen und stark werden in uns, wir sollen ihn befestigen und üben, bis er dereinst übergeht in das selige Schauen.

 

3. Der Glaube stützt sich auf das untrügliche Wort Gottes, darum muss er fest sein und alles umfassen, was Gott durch sein Wort verbürgt hat. Die Kirche ist von Gott gesandt, um seine Offenbarungen zu verkünden. So ist die Lehre der Kirche die Richtschnur für unseren Glauben. Weil von dem Glauben unser ewiges Heil abhängt, dürfen wir ihn um keinen Preis der Welt verraten und verkaufen. Haben wir ihn verloren, so haben wir den Boden unter den Füßen verloren. Alles, was unseren Glauben in Gefahr bringen könnte, müssen wir fliehen und meiden. Und wenn du alles das getan hast, meine Seele, dann bleibt dir noch das Wichtigste zu tun: bring dein Leben in Einklang mit dem Glauben, dass der Glaube lebendig in dir sei, denn sonst wird das, was deine Stärke, dein Trost und dein Heil sein soll, dein Richter, der dich verdammt.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä im Glauben bestärkt zu werden.

Zusatz: . . . Jesus, der unsern Glauben vermehren wolle.

 

Gebet

 

Maria, du glaubensstarke Jungfrau, richte unseren schwachen Glauben auf mit deiner kräftigen Fürbitte. Lass nicht zu, dass die vielen mächtigen Feinde des Glaubens uns jemals überwältigen und uns den kostbarsten Schatz rauben, den wir besitzen. Erflehe uns die Kraft, dass wir bereit sind, eher zu sterben als vom Glauben abzufallen, und hilf uns, dorthin zu gelangen, wo der Glaube sich in das Schauen verwandelt. Amen.