12 - Von der heiligen Eucharistie

 

1. „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Dieses trostreiche Wort hat der Herr in wunderbarer Weise erfüllt. Nicht bloß kraft seiner göttlichen Allgegenwart, nicht bloß mit seiner Gnade wollte er bei uns bleiben, sondern er hat sich in seiner Weisheit ein Haus bei uns erbaut, darin er wohnen will mit Gottheit und Menschheit, in wahrhafter, wirklicher und wesentlicher Gegenwärtigkeit. Es ist das Betlehem des Neuen Bundes, das Haus „des Brotes“, das allerheiligste Sakrament des Altares. Auf dem Altar opfert er sich durch die Hand des Priesters in der heiligen Messe für uns auf, als ein Hohepriester in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedech. In der demütigen Gestalt der kleinen Hostie weilt er unter uns bei Tag und bei Nacht. In der heiligen Kommunion kehrt er ein in unser Herz und speist unsere Seele mit seinem heiligsten Fleisch und Blut. Unbegreiflich ist dies große, wunderbare Geheimnis, und unbegreiflich ist die göttliche Liebe, die es uns geschenkt hat. „Da er die Seinen liebte, so liebte er sie bis ans Ende.“

 

2. Meine Seele, du bist geladen an den Tisch des Herrn, du sollst gespeist werden mit dem Engelbrot, der König des Himmels und der Erde will Einkehr halten bei dir. Wer möchte nicht zagen und zurückschrecken! Wer möchte nicht angesichts dieser Ehre ausrufen mit dem Hauptmann: O Herr, ich bin nicht würdig, dass du zu mir kommst!“ – und mit Petrus: „Herr, geh von mir, ich bin ein sündhafter Mensch!“ Aber fasse Mut, meine Seele, der Herr gestattet dir nicht bloß zu kommen, sondern befiehlt es dir: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben.“ Wie die Israeliten in der Wüste gespeist wurden mit dem Manna, das vom Himmel fiel, so sollen die Christen gespeist werden mit dem Manna des Neuen Bundes, das unendlich wunderbarer und süßer ist. So komm denn zu diesem heiligen Gastmahl, komm oft und gern! Hier findest du Kraft im Kampf, Fortschritt in der Tugend, Trost im Leiden, Gnade und Segen, das Leben selber. Komm oft und gern, aber bereite deine Seele. „Der Mensch prüfe sich selbst, und so essse er von diesem Brot.“

 

3. Unter den ersten, die gewürdigt wurden, dies hochheilige Sakrament zu empfangen, war auch Maria. Von allen, die es je empfangen haben, hat wohl niemand es so andächtig und gnadenreich empfangen wie sie. Als ihr Sohn die Erde verlassen hatte, da ist dies allerheiligste Sakrament der Trost ihres Lebens gewesen in den Tagen ihrer Verbannung, der Vorgeschmack der ewigen Seligkeit und das Unterpfand des Wiedersehens. Hat wohl je eine Seele dies Sakrament so geliebt und verehrt, soviel Gnade daraus geschöpft wie Maria? Und noch immer ist die Eucharistie das stärkste Band, das ihr mütterliches Herz mit der Erde verknüpft, denn immerwährend sieht sie in diesem Geheimnis alle Wunder und Wonnen und alle Leiden von Betlehem und Nazareth und Golgotha vergegenwärtigt. Möchte sie uns doch die Gnade erflehen, dass unsere blinden Augen geöffnet und unsere kalten Herzen entflammt werden zu lebendigem Glauben und inniger Liebe zum allerheiligsten Sakrament.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä in der Verehrung des allerheiligsten Sakramentes bestärkt zu werden.

Zusatz: . . . Jesus, der uns eine wahre Andacht zum allerheiligsten Sakrament verleihen wolle.

 

Gebet

 

Deinem göttlichen Sohn, o allerseligste Jungfrau, verdanken wir das kostbarste Geschenk des allerheiligsten Altarsakramentes. Auch dir sind wir Dank schuldig, denn du hast eingewilligt und mitgewirkt, den Leib des Herrn zu bereiten, der uns in diesem Sakrament als Seelenspeise gegeben wird. Bitte für uns bei deinem göttlichen Sohn, dass wir dies hohe Geheimnis mit festem Glauben und inbrünstiger Liebe immerdar verehren und oft und würdig empfangen mögen. Amen.