4 - Von der Todsünde

 

1. „Des Todes Stachel ist die Sünde.“ Das Sterben wäre leicht, und das Gericht wäre nicht zu fürchten, wenn es keine Todsünde gebe. Die Todsünde ist das eine große Übel, die letzte, tiefste Quelle alles Elends in Zeit und Ewigkeit. Worin besteht sie? Sie ist eine klar erkannte und frei gewollte Übertretung des göttlichen Gesetzes in einer wichtigen Sache. Unserem abgestumpften und durch den Schein der irdischen Dinge geblendeten Geist fehlt die rechte Einsicht in die Bosheit und Verabscheuungswürdigkeit der Todsünde; sonst würden wir sie hassen und fliehen, mehr als eine giftige Schlange, mehr als den schrecklichsten Aussatz, mehr als den Tod selber. In der Todsünde empört sich das Geschöpf gegen seinen Schöpfer, dem es alles verdankt, und der es vollständig in seiner Macht hat; sie ist ein vermessener Ungehorsam gegen Gott, eine freche Beleidigung seiner Majestät. In der Todsünde vergelten wir Gottes Vatergüte mit schwerem Undank, wir üben Verrat an unserem Erlöser, der uns mit seinem Blut erkauft hat, und dem wir Treue geschworen haben.

 

2. Warum heißt diese Sünde Todsünde? Weil sie eine Mörderin ist, die alles Gute und Edle tötet und vernichtet. Sie tötet das Gnadenleben in der Seele, so dass nun von dem Menschen das schreckliche Wort gilt: „Du hast den Namen, dass du lebst, aber du bist tot.“ Sie tötet alle Verdienste, die der Mensch durch gute Werke sich erworben hat; sie sind dahin und verloren. Verloren und verwirkt ist die ewige Seligkeit. Die Todsünde ist ein Riegel, der die Himmelstür verschließt. Sie stürzt die Seele in den ewigen Tod, wenn sie unbekehrt und ungereinigt vor Gottes Gericht tritt. Oft greift sie auch wie eine Pest über die Sünderseele hinaus und bringt Ansteckung und Verderben über die Mitmenschen.

 

3. Doch alles dies sind übersinnliche Wahrheiten, und es fällt uns schwer, sie klar und lebendig zu erfassen. Nun, meine Seele, du magst es mit Augen schauen und mit Händen greifen, wie schwer und wie boshaft die Todsünde ist. Blick hin auf die Strafgerichte des gerechten Gottes! Eine einzige Todsünde hat Luzifer und seinen Anhang aus dem Himmel gestürzt, hat diese Engel in Teufel verwandelt und ihnen ewige Höllenpein gebracht. Eine einzige Sünde hat die ersten Menschen aus dem Paradies vertrieben und den Tod in die Welt gebracht und mit dem Tod zugleich die ganze Schar von Leiden und Plagen, die diese Erde zu einem Tränental machen. Die furchtbarste Wage aber, auf der die Sünde gewogen wird, ist das blutige Kreuz auf Golgotha, das Marterholz, an dem der Sohn Gottes in den bittersten Qualen sein Leben ausgehaucht hat.

Nun sinke nieder auf deine Knie und schlage an die Brust und sprich: „Herr, sei mir armen Sünder gnädig!“ Wir müssten verzagen angesichts des Kreuzes, das sich wie eine furchtbare Anklage vor uns erhebt, wenn nicht an diesem Kreuz der Erlöser hinge. So entsetzlich groß und schwer die Sünde ist, seine Gnade ist noch größer. Sie überwiegt alle Sündenschuld der ganzen Welt.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä vor der Todsünde bewahrt zu bleiben.

Zusatz: . . . Jesus, der uns vor der Todsünde bewahren wolle.

 

Gebet

 

O Maria, du unbefleckte Jungfrau, niemals hat auch nur ein Hauch und Schatten der Sünde deine reine Seele berührt. Wie beschämt blicken wir auf unser eigenes Leben, auf die vielen kleinen und großen Sünden, die wir begangen haben. Steh uns mit deiner Fürbitte zur Seite in jeder Versuchung, dass wir niemals wieder in eine schwere Sünde fallen. Wir wollen das kostbare Geschenk der heiligmachenden Gnade, das dein Sohn mit seinem teuren Blut uns erworben hat, treu bewahren bis an unser Ende, damit wir Kinder Gottes bleiben und als Erben des Himmels eingehen in die ewige Seligkeit. Amen.