17 - Von den Leiden und Freuden des Lebens

 

1. Wie in der Natur Sonnenschein und Regen wechseln, so bringt auch das menschliche Leben Freuden und Leiden. Beides kommt aus Gottes Hand, und beides wird uns zum Heil gereichen, wenn wir es in der rechten Weise zu tragen wissen. Nun sind die Menschen wohl zufrieden, wenn ihnen Freuden geschenkt werden, wenn sie in guter Gesundheit leben, wenn ihre Unternehmungen Erfolg haben, wenn ihnen ein Glück zufällt. Kommt aber Leid über sie, dann werden sie leicht mutlos oder murren sogar gegen die Fügungen Gottes. Und doch sind die Leiden oft viel heilsamer als die Freuden. Im Glück ist der Mensch zum Übermut geneigt und vergisst den lieben Gott. Das Unglück soll ihm seine Hilflosigkeit zeigen und ihn wieder zu Gott führen. Not lehrt beten. Was auch kommen mag, wir sollen immer sprechen mit Hiob: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gebenedeit.“

 

2. Die Freuden, die Gott uns schenkt, sind ein Beweis seiner Vatergüte. Wir sollen sie dankbar annehmen, aber wir sollen uns nicht zu sehr an sie dahingeben, denn sie sind vergänglich und können uns nie wahrhaft glücklich machen. Die Leiden sind kostbarer, wenn wir es verstehen, ihren Nutzen recht auszuschöpfen. Im Leiden werden wir unserm Heiland ähnlich und folgen ihm nach auf dem Kreuzweg, und das ist der geradeste Weg zum Himmel. „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Alle Heiligen haben das Kreuz geliebt, alle haben leiden müssen und sind durch das Leiden geläutert worden. Ja, sie waren unruhig und betrübt, wenn es ihnen lange Zeit wohl erging. Nun hat sich an ihnen das Wort erfüllt: „Die in Tränen säen, werden in Freuden ernten.“ Wohl zieht der Mensch sich manche Leiden durch eigene Schuld zu; dann kann er die Schuld nicht besser sühnen und tilgen als durch Geduld und Ergebung. Die Heilige Schrift spricht aber auch das Wort: „Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er“, und dies Wort soll dir ein Trost sein.

 

3. Maria hat auf Erden nicht viel Freude gefunden. Die schönste Freude fand sie im Gebet und in der Erfüllung des göttlichen Willens. Aber viel große Leiden sind über sie gekommen, sie ist die Königin der Martyrer, die schmerzhafte Mutter. Nie war sie verzagt, nie unzufrieden: je mehr sie leiden musste, um so herrlicher erblühte ihre Seele in der Liebe Gottes und in jeglicher Tugend. Hat der himmlische Vater seiner geliebten Tochter so viele Leiden geschickt, dann wird er es auch mit dir gut meinen, wenn er dich heimsucht und prüft. Darum harre aus in Geduld!

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä die Gnade zu erlangen, Freud und Leid in der rechten Weise aus der Hand Gottes anzunehmen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns ein dankbares und geduldiges Herz geben wolle.

 

Gebet

 

Schmerzhafte Mutter Gottes, Maria, du hast die Leiden dieser Welt mehr geliebt als die Freuden. Doch was auch über dich kommen mochte, immer hat dein Herz gesprochen: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ Erflehe uns Dankbarkeit in der Freude und Geduld im Leiden. Bitte für uns, dass das Wort sich an uns erfülle: „Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Besten.“ Amen.