16 - Vom christlichen Familienleben

 

1. Die erste Familie der alten Schöpfung, die Gott selbst im Paradies gegründet hat, hat großen Schaden genommen durch die Sünde. Sie verlor in der Folge die Würde der Einheit und Unauflöslichkeit selbst beim auserwählten Volk und entartete bei den Heidenvölkern immer mehr. Die erste Familie der neuen Schöpfung, die heilige Familie von Nazareth, hat die alte Würde nicht bloß wiedergewonnen, sondern übertroffen. Die gottseligste Frömmigkeit, der lieblichste Friede, die innigste Liebe und die demütigste Bescheidenheit herrschten in diesem Kreis. Maria war ihrem Ehegemahl Joseph willig unterworfen, obwohl sie ihn an Gnade und Würde übertraf, und dem die erste Stelle gebührte, das göttliche Kind, nahm in seiner Selbstverleugnung den letzten Platz ein, indem es seinen Eltern untertan war. Eine unbeschreibliche heilige, starke und opferwillige Liebe verband diese Personen untereinander. Ihr Haus war ein wahres Gotteshaus und bei aller Armut reicher als der königliche Palast zu Jerusalem. Ihr Leben war ein fortwährender Gottesdienst.

 

2. In Nazareth findet die christliche Familie ihr erhabenes Vorbild. Auf Joseph sollen alle Männer schauen, die als Familienhäupter bestellt sind, auf Maria alle Mütter und auf Jesus alle Kinder. Je eifriger diese Vorbilder nachgeahmt werden, um so segensreicher wird die Familie wirken, um so glücklicher wird das Familienleben sein, um so fester werden Kirche und Staat, die in der Familie ihre Wurzel haben, gegründet stehen. Glaube und Gottesfurcht, Gebet und Arbeit, Friede und Eintracht, Liebe und Gehorsam, das sind die Engel, die Tag und Nacht den Herd des christlichen Hauses bewachen sollen. Solange sie wachen, ist das Haus in guter Hut. Da sind die Eheleute einander Stab und Stütze auf dem Weg zum Himmel, und da legen die Eltern eine feste Grundlage für das zeitliche und ewige Glück ihrer Kinder.

 

3. Christus hat die Ehe zu einem Sakrament erhoben und ihr in seiner eigenen Verbindung mit der Kirche ein herrliches und erhabenes Vorbild gegeben. Damit ist die Familie auf ein heiliges, von Gott geweihtes Fundament gestellt worden. Ein Keim des Segens ist eingesenkt worden in ihren Grund und soll sich immer fruchtbarer entfalten. Jeder Angriff auf die Reinheit und Heiligkeit der Ehe untergräbt den Bestand und das Wirken der Familie und vergiftet das Familienleben. Eins trägt das andere, eins wächst aus dem andern: die Ehe – die Familie – das Heil der Ehegatten – und das Glück der Kinder. Das ist eine Himmelsleiter, die bis zum Thron Gottes reicht. Wird aber die gute Ordnung verkehrt, so führt die Leiter hinab in den Abgrund des ewigen Verderbens.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um Gottes Segen durch die Fürbitte Mariä auf die christlichen Familien herabzurufen.

Zusatz: . . . Jesus, der die Familien mit christlichem Geist erfüllen wolle.

 

Gebet

 

Maria, du jungfräuliche Gemahlin des heiligen Joseph, du liebevolle Mutter des göttlichen Heilandes, die du so treu gewaltet hast im Haus zu Nazareth, komm den bedrohten christlichen Familien zu Hilfe. Wie du für die Brautleute zu Kana gebetet hast: „Sie haben keinen Wein“, so erhebe deine Stimme für alle Mitglieder der christlichen Familien, denen der Wein der Gottes- und Nächstenliebe ausgehen will. Halte deine Hand ausgebreitet über unser Dach, damit Sünde und Unglück fernbleiben und Gottes Segen bei uns weile immerdar. Amen.