6 - Von der lässlichen Sünde

 

1. „Keine Todsünde mehr!“ Dieser Spruch, der in vielen Kirchen auf dem Missionskreuz zu lesen ist, muss unser unerschütterlicher Vorsatz sein, wenn wir unsere Seele retten wollen. Wollen wir uns aber vor der Todsünde bewahren, dann müssen wir auch entschlossen sein, die freiwillige lässliche Sünde zu meiden. Die lässliche Sünde ist nicht etwa eine Kleinigkeit, auf die es wenig ankommt. Niemand wird auf einmal und plötzlich schlecht, sondern langsam und allmählich, und so ist die lässliche Sünde nur zu oft der erste Schritt zur Todsünde. Wer leichtsinnig am Rand eines Abgrundes dahingeht, ist immer in Gefahr, einen Fehltritt zu tun und hinabzustürzen. Und wo ist die scharfe Grenze zwischen der lässlichen Sünde und der Todsünde? Wenn einer so gesinnt ist, das er bis an diese Grenze gehen will, wird er sie vielleicht eher überschreiten, als er in seinem weiten Gewissen sich selber zugibt. Dann lebt er dahin in dem gefährlichen Zustand der falschen Sicherheit.

 

2. Wer nicht redlich bemüht ist, nach besten Kräften alle Sünden zu meiden, wird niemals Fortschritte machen auf dem Weg der Tugend und Vollkommenheit. Er ist noch kein aufrichtiger und eifriger Christ, es fehlt ihm die kindliche Gesinnung gegenüber Gott. Auch die lässliche Sünde ist ja eine Beleidigung und Kränkung unseres himmlischen Vaters. Kann wohl der auf den Namen eines guten Kindes Anspruch haben, den es gar nicht kümmert, ob er seinen Vater beleidigt?

 

3. Und was gibt dir denn die lässliche Sünde, dass du es so teuer erkaufen magst? Wie wenig gewinnst du durch sie, und wenn du auch die ganze Welt gewännest, so hättest du sie doch zu teuer bezahlt. Der Preis, den du bezahlst, ist die Kränkung deines himmlischen Vaters, der Verlust vieler kostbarer Gnaden, eine schmerzvolle Strafe in diesem oder im anderen Leben und die Gefährdung deines ewigen Seelenheils. Wer wird so töricht sein, einen solchen Handel abzuschließen!

Richten wir unsern Blick auf Maria! Sie hat nichts gefürchtet als nur die Sünde und auch den leisesten Schatten des Ungehorsams gegenüber Gott mit Abscheu gemieden. In unserer Schwäche werden wir es nicht erreichen, dass wir ganz frei bleiben auch von der kleinsten Verfehlung; dazu bedürfte es einer außerordentlichen Gnade. Aber das können und wollen wir erreichen, dass wir die freiwillige lässliche Sünde mit aller Entschiedenheit meiden.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä vor aller Sünde bewahrt zu bleiben.

Zusatz: . . . Jesus, der uns mehr und mehr von jeder Sünde reinigen wolle.

 

Gebet

 

Maria, du reinste, makellose Braut des Heiligen Geistes, erflehe uns den Beistand der Gnade, dass wir jede Sünde verabscheuen und nach besten Kräften meiden. Wir wollen uns bemühen, deinem Beispiel immer eifriger zu folgen und uns ein reines Herz zu bewahren. Unterstütze unser Bemühen durch deine Fürbitte. Amen.