19 - Von den guten Werken

 

1. Immer wieder hat der göttliche Heiland uns ermahnt, dass wir uns die ewige Seligkeit verdienen müssen durch gute Werke. Er vergleicht den Himmel mit dem Lohn, der den treuen Arbeitern im Weinberg am Abend ausgezahlt wird. Er verurteilt den faulen Knecht, der sein Pfund vergraben und nichts dazu erworben hat. Er verflucht den Feigenbaum, der nur Blätter, aber keine Früchte trägt. Er ermahnt uns, dass wir Schätze sammeln sollen, die von Dieben nicht gestohlen und von Rost und Motten nicht verzehrt werden. Er gründet das Urteil beim letzten Gericht auf die Werke der Nächstenliebe, die von den einen geübt, von den andern vernachlässigt worden sind. Er sagt, dass schon ein Trunk Wasser, in seinem Namen dargereicht, seinen Lohn finden solle im Himmel. Er belehrt den jungen Mann: „Willst du zum Leben eingehen, so halte die Gebote.“ Aus allem ergibt sich klar, dass Gott der Herr gute Werke von uns fordert, dass wir den Himmel verdienen sollen.

 

2. Diese Lehre gibt uns keinen Grund zur Selbstüberhebung. Denn ohne den Beistand der Gnade können wir nichts tun für den Himmel, und alle guten verdienstlichen Werke haben ihren Wert von Christus. Darum setzt die Verdienstlichkeit unserer Werke die heiligmachende Gnade voraus. Wer im Stand der Gnade ist, steht in lebendiger Verbindung mit Christus, und so sind seine Werke in Christus getan und durch Christus geheiligt. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben. Die Reben, die am Weinstock bleiben, bringen Frucht. Die Reben, die abgeschnitten sind vom Weinstock, sind tot und unfruchtbar. So gebührt dem Herrn im letzten Grund alle Ehre, und wir dürfen uns nicht rühmen wegen unserer Werke. Der heilige Augustinus hat recht, wenn er sagt: „Gott belohnt in uns seine eigenen Gaben.“

 

3. Wie viele Gelegenheiten bieten sich uns dar, um gute Werke zu tun und Verdienste zu sammeln! Wie reich können wir werden, wenn wir die Zeit benutzen und mit der Gnade Gottes eifrig mitwirken wollen! Wer in irdischen Geschäften Großes erreichen will, muss mit besonderer Fähigkeit begabt und vom Glück begünstigt sein, sonst wird er es schwerlich weit bringen. Wer Schätze für den Himmel sammeln will, braucht nur guten Willen zu haben, denn Gottes Gnade steht immer bereit. Beten, Fasten und Almosengeben wird uns in der Heiligen Schrift besonders empfohlen. Darunter sind zu verstehen alle Werke der Andacht, der Abtötung und der Nächstenliebe. Wer könnte diese Werke nicht üben, zumal der Herr nicht so sehr auf das äußere Werk sieht als vielmehr auf die Seele des Werkes, auf die gute Meinung? Die Witwe im Tempel hatte mit den paar Hellern mehr in den Opferkasten geworfen als die Pharisäer mit ihren reichen Gaben. Bewahre die Gnade, suche treu und demütig deine Pflicht zu tun und opfere alles auf zur Ehre Gottes, so wächst dir ein unvergänglicher Reichtum von selber zu.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä wahren Eifer in guten Werken zu erlangen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns waren Eifer in guten Werken verleihen wolle.

 

Gebet

 

Maria, du treue Magd des Herrn, dein ganzes Leben war ein ununterbrochenes eifriges Wirken zur Ehre Gottes, und unvergleichlich sind die Verdienste, die du dir erworben hast. Erflehe uns die rechte Einsicht, dass auch wir eifrig nach dem Ewigen trachten und nicht müde werden zu wirken, solange es noch Tag ist, damit wir dereinst eine reiche Ernte halten können. Amen.