29 - Vom Gehorsam

 

1. Vom Ungehorsam gegen Gott kommt alle Sünde und alles Elend. Der Gehorsam führt uns zum ewigen Glück. Durch ihren Ungehorsam sind die aufrührerischen Engel in den Abgrund der Hölle gestürzt und haben die Stammeltern unsägliches Elend über sich und ihre Nachkommen gebracht. Die zweite Eva, die allerseligste Jungfrau Maria, hat Gehorsam geübt. „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort“; in diesem Ausspruch liegt nicht nur ein Zeugnis der Demut, sondern auch eine Beteuerung des unbedingten Gehorsams, und dies Wort war der Wahlspruch ihres ganzen Lebens. Der göttliche Heiland, der uns in allem ein Beispiel gegeben hat, ist gehorsam geworden bis zum Tod am Kreuz. Der Ungehorsam ist der Weg, der von Gott hinwegführt ins Verderben; wollen wir zu Gott kommen, so müssen wir den Weg des Gehorsams gehen.

 

2. Der Gehorsam fordert auch, dass wir uns denen unterwerfen, die Gottes Stelle auf Erden vertreten. Die Kinder müssen den Eltern gehorchen, wie Jesus selber seinen Eltern untertan gewesen ist. Die Untergebenen müssen den Vorgesetzten gehorchen, und so geht die Forderung des Gehorsams durch alle Stände hindurch. Niemand ist so groß und steht so frei da, dass er niemals zu gehorchen brauchte; auch über den Königen und Regierenden steht das Gesetz und zu allerletzt der heilige Wille Gottes. Wenn die Bande des Gehorsams sich lösen, dann löst sich die Ordnung, dann wankt die Wohlfahrt, und alles muss zugrunde gehen.

 

3. Der Gehorsam fällt dem Menschen mitunter schwer, denn es liegt in dieser Tugend ein großes Opfer, das Opfer des eigenen Willens. Darum auch hat der Gehorsam ein so großes Verdienst, und darum ist er so wichtig im Tugendleben. Wer sich selbst überwindet und seinen stolzen Willen bändigt, der erlangt sittliche Kraft und wird dem Bösen leichter widerstehen. Nur der ist wahrhaft frei, der sich selbst beherrschen kann. Wer aber immer seinem eigenen Willen folgt, der wird ein Sklave der Leidenschaft. Aller Gehorsam gegen Menschen aber hat eine Grenze, die niemals überschritten werden darf. Das ist der Wille Gottes. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“, dies Apostelwort steht für ewig fest. Die menschliche Autorität kommt von Gott, und wenn sie sich gegen Gott richtet, so hat sie ihre Kraft und Geltung verloren.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä die Tugend des Gehorsams zu erlangen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns ein gehorsames Herz geben wolle.

 

Gebet

 

Du gehorsamste Tochter des himmlischen Vaters, die du auch der irdischen Obrigkeit unter schweren Opfern gehorsam gewesen und nach Betlehem gepilgert bist, um dem Gesetz zu genügen, siehe, wie der Ungehorsam und die Auflehnung sich breitmachen in der Welt. Wir wollen deinem und deines Sohnes Beispiel folgen und immer den sichern Weg des treuen Gehorsams gehen. Unterstütze unsern guten Vorsatz mit deiner mächtigen Fürbitte. Amen.