15 - Von der Arbeit

 

1. Von der Arbeit haben manche Menschen nicht die rechte Auffassung. Sie betrachten die Arbeit als eine Last, die sie am liebsten ganz abschütteln möchten, oder gar als etwas Entwürdigendes, dessen man sich zu schämen hätte. Sie halten das Nichtstun für etwas Vornehmes und Glückliches, während das Gegenteil wahr ist. Die Arbeit ist ein Segen und trägt eine hohe Würde in sich, während der Müßiggang eine Schmach ist und Verderben bringt. Wenn Gott dem Adam und allen Adamskindern gesagt hat, dass sie im Schweiß ihres Angesichtes ihr Brot essen sollen, so ist die Beschwerde, die in der Arbeit liegt, als Strafe der Sünde bezeichnet. Damit aber ist der Segen der Arbeit nicht aufgehoben. Die Arbeit ist gesund für Leib und Seele, sie gibt Kraft und Freude, sie bewahrt vor vielem Bösen und übt in der Tugend. Sie ist nicht bloß eine Pflicht, die uns auferlegt worden ist, sondern ein Weg zum Glück und zur Tüchtigkeit und ein Schlüssel zum Himmel.

 

2. Wenn die Arbeit ihren reichen Segen entfalten soll, muss sie in christlichem Geist verrichtet werden. Der Sohn Gottes selbst und seine heilige Mutter Maria und sein Nährvater Joseph haben gearbeitet, und so wie die Arbeit in der heiligen Familie geübt wurde, so sollen auch wir sie üben. Man muss mehr zur Ehre Gottes und zum allgemeinen Wohl wirken und schaffen, als des irdischen Gewinnes und des eigenen Vorteiles wegen. Man muss mit der Arbeit zufrieden sein, die einem durch den Beruf zugewiesen worden ist. Man muss keine Arbeit geringschätzen oder gar verachten, mag sie noch so unbedeutend oder niedrig sein. Alle Arbeit, die ehrbar ist, ist gut und gottgefällig und kann durch eine aufrichtige gute Meinung und durch Treue und Eifer ein überaus kostbares Werk werden vor den Augen Gottes.

 

3. „Siehe, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen“, sprach Petrus zum Herrn. Da haben wir ein Sinnbild der glaubenslosen, selbstsüchtigen Arbeit; sie wird in der Nacht verrichtet, auf ihr ruht nicht das Sonnenlicht der Gnade, und darum bringt sie keine dauernde Frucht. Die christliche Arbeit dagegen ist dem reichen Fischfang zu vergleichen oder der Arbeit im Weinberg; sie wird im Namen des Herrn verrichtet und von seinem Segen begleitet. Ihren schönsten Lohn hat diese Arbeit mit Gott und für Gott in der Ewigkeit zu erwarten. Lasst uns nicht arbeiten bloß für diese Welt, sondern für den Himmel. Lasst uns treu ausharren, bis der Abend kommt und der Herr zu dem Todesengel spricht: „Geh und rufe die Arbeiter und gib ihnen ihren Lohn!“

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä die Gnade zu erlangen, in treuer Arbeit auszuharren.

Zusatz: . . . Jesus, der uns die Gnade geben wolle, unsere Arbeit zur Ehre Gottes zu verrichten.

 

Gebet

 

O Maria, du treue Magd des Herrn, voll Demut und Bereitwilligkeit hast du alle Arbeit verrichtet, die die Armut von dir forderte. Wir sind stolz und träge und scheuen die Erfüllung unserer Pflicht, sobald sie mit Mühe und Beschwerde verbunden ist. Stelle uns dein heiliges Beispiel lebendig vor Augen und ermuntere unsere Herzen zum Eifer in der Andacht, damit wir dereinst gute Rechenschaft abgeben können von unserer Haushaltung. Amen.